Donnerstag, 27.06.2019
um 19:30 Uhr

Literaturhaus Stuttgart
Breitscheidstr. 4
70174 Stuttgart






Vortrag und Gespräch
Moderation: Anat Feinberg

"Ich hätte das Buch nie geschrieben, wenn ich nicht weggegangen wäre." Nora Krug

Die Arbeit an dem Buch hat sie sechs Jahre lang beschäftigt: zwei für die Recherche, zwei für die Geschichte, zwei für die Gestaltung. Sie selbst nennt das Buch ´graphic memoir´, gezeichnete Erinnerungen. Diese besondere Form macht es ihr möglich, "sich über die individuelle Graphik vom dokumentierten Schrecken der deutschen Zeitgeschichte zu lösen, diese zugleich aber zu einer persönlichen Angelegenheit zu machen: zum Familienalbum, in dem das Zeichnen für Nora Krug ein Akt der Empathie ist, ohne sich jedoch Mythen oder Beschönigungen kritiklos auszuliefern", so Andreas Platthaus in der FAZ. So wird ihr ´graphic memoir´ zur Bestandsaufnahme nicht nur der Familiengeschichte, sondern fragt auch nach den Bedingungen jeglichen Erzählens über Herkunft. Wie kann man verstehen, wer man ist, wenn man nicht weiß, woher man kommt? Die preisgekrönte und in Karlsruhe geborene Autorin und Illustratorin Nora Krug lebt seit über 17 Jahren in New York, ist verheiratet mit einem amerikanischen Juden und begibt sich auf Spurensuche: Was hatte Großvaters Fahrschule mit dem jüdischen Unternehmer zu tun, dessen Chauffeur er vor dem Krieg gewesen war? Und was sagen die mit Hakenkreuzen dekorierten Schulaufsätze über ihren Onkel, der mit 18 Jahren im Zweiten Weltkrieg fiel? "Heimat" ist ein großes Erinnerungskunstwerk, in dem Familiengeschichte auf Zeitgeschichte trifft.

In Zusammenarbeit mit dem forum für jüdische kultur und bildung e.V.

Eintritt: 10,-/8,-/5,- Euro

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

weitere Termine

Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten - Emma Braslavsky
Preis des Wirtschaftsclubs
Laudatio und Gespräch: Julia Schröder

»Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten«: In Emma Braslavskys neuem Roman lassen menschenähnliche Roboter jede Art von Beziehungswunsch erfüllbar werden. Doch die uneingeschränkte Glückseinlösung, das Versprechen, menschliche Einsamkeit Geschichte werden zu lassen, verkehrt sich ins Gegenteil und führt vielmehr zu einer Häufung von Selbsttötungen unter den Menschen. Nicht so sehr die Suizide sind das Problem, sondern die damit verbundenen Kosten, denn häufig lassen sich Angehörige nicht ermitteln. So kommt »Roberta« auf den Markt. Sie soll als Pilot-KI-Sonderermittlerin für die Polizei Angehörige der Suizidant*innen ausfindig machen, um dem Sozialamt die Bestattungskosten zu ersparen. In künstlicher Verfremdung des Alltäglichen und mit einem Gespür für tragikomische Situationen beschreibt Emma Braslavsky eine kollabierende Gesellschaft. Ihre literarischen Figuren nehmen uns mit in einen Film noir, leuchten die Macht des Möglichen ebenso aus wie ihre bleichen Kehrseiten, so dass wir uns leicht schwindelnd fragen, mit wem wir uns in der Lektüre zunehmend identifizieren. Etwa mit einer Recheneinheit? Für ihren Roman wird Emma Braslavsky in diesem Jahr mit dem Preis des Wirtschaftsclubs ausgezeichnet. Der mit 5.000 € dotierte Preis richtet sich an Autor*innen, die sich mit Themen der Wirtschafts- bzw. Arbeitswelt kritisch und literarisch anspruchsvoll auseinandersetzen. Zu den bisherigen Preisträger*innen gehören u.a. Annette Pehnt, Philipp Schönthaler, Martin Suter, Matthias Nawrat, Alexander Schimmelbusch.

Eine Veranstaltung des Wirtschaftsclubs in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus

Eintritt: Euro 10,- / 8,- / Mitglieder frei
Irmgard Keun: »Das kunstseidene Mädchen« - Ulrike Draesner und John von Düffel

Stuttgart

28.11.2019
19:30 Uhr
Tickets
ab 10,00 €
Umkämpfte Zone: Mein Bruder, der Osten und der Hass - Ines Geipel
Lesung und Gespräch
Moderation: Elke Uhl

»Es geht nicht um das Wegreden von Lebensleistungen. Es geht nicht darum, dass wir nicht miteinander im Osten auf der Wiese gesessen haben, dass wir zusammen Bier getrunken haben. Aber es gibt einen Unterschied, wie ich darin gelebt habe und was ich heute klar sagen muss: Eine Diktatur kann keine Heimat sein« Ines Geipel

Ines Geipels neues Buch »Umkämpfte Zone« ist Familiengeschichte und DDR-Geschichte zugleich. Sie sucht dabei Antworten auf das »Warum« der Radikalisierung der letzten Jahre, ohne dabei Opfererzählungen nach 1989 zu bedienen. Was hat die breite Zustimmung für rechtsextremes Gedankengut möglich gemacht? Warum dieser Hass auf den Staat? Ines Geipel folgt in ihrem Buch den politischen Mythenbildungen des neu gegründeten DDR-Staates, seinen Schweigegeboten und seinem Angstsystem. Vergangenheitsbewältigung konnte unter diesen Umständen kaum stattfinden. Vielmehr wurde eine Vergessenspolitik wirksam, die sich auch in den Familien spiegelte. Gemeinsam mit ihrem Bruder, den sie in seinen letzten Lebenswochen begleitete, steigt Ines Geipel in die »Krypta der Familie« hinab. Geipel, geboren 1960, ist Schriftstellerin und Professorin an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«. Die ehemalige Weltklasse-Sprinterin floh 1989 nach Westdeutschland.

In Zusammenarbeit mit dem Hospitalhof Stuttgart

Eintritt: 10,-/8,-/5,-