Samstag, 09.05.2026
um 20:00 Uhr




In einem absurden Cabaret feiern wir das Leben und das Werk des Dichters Daniil Charms, dieses verrückten Filous der sowjetischen Literaturgeschichte. Das posthum meistgespielte Stück von Daniil Charms war »Zirkus Schardam« – also öffnen wir ihm die Manege: Ein Zirkus des menschlichen Witzes und der Lebenskunst, ein Tanz auf dem Vulkan! Mit dabei sind die Cie. Freaks und Fremde, Bodecker & Neander, die Company Raum 305, die Tänzerin Jule Rottluff, die Schauspielerin Kathleen Gaube, die Seiltänzerin Nadine Tobler und der Musiker Tobias Herzz Hallbauer. Diese Aufführung wird es so nur einmal geben! Sie ist eine besondere Begegnung der Künste zu Ehren von Daniil Charms und vieler anderer Persönlichkeiten, deren Stimme unter dem Druck der Stalinistischen Willkür unhörbar gemacht werden sollte.

Der Dichter Daniil Charms hatte große Mühe, auf die Welt zu kommen. Er beschrieb in späteren Werken immer wieder das Wunder seiner Geburt. Die Hebamme, die das Kind untersuchte, meinte, sie habe noch nie einen so schönen Jungen gesehen. Er war ein sonderbares Kind, und er wurde ein sonderbarer Mann. Ein bemerkenswerter Mann und Künstler in sonderbaren wie bemerkenswerten Zeiten.

Die Große Oktoberrevolution 1917 änderte jedes einzelne Leben gründlich, ganz egal auf welcher Seite der Barrikaden er stand oder ob man womöglich gar nichts von der Revolution wissen wollte. Der Vater von Daniil Charms bekam nach der Revolution als ehemaliger Revolutionär und Gefangener des zaristischen Regimes eine neue große Fünfzimmerwohnung in Petrograd, später: Leningrad. Sie hatte sogar einen Telefonanschluss mit der Nummer 9024, ein seltener Luxus bei den damaligen Wohnverhältnissen. 1930 wurde die Wohnung allerdings, wie die meisten Wohnungen in der Sowjetunion »verdichtet«. Es wurden zwei weitere Familien dort einquartiert: eine Frau mit ihrer gelähmten Mutter, die ständig pupste, und ein alter Infanterist mit Kopfschaden. Daniil Charms hatte sein Zimmer zu einer Poetenburg umgebaut und ist bis zu seinem Tod nicht mehr umgezogen, abgesehen von seiner Verbannung als »zu linker Dichter« in Kursk.

Charms schrieb wildeste Gedichte, Miniaturen und Theaterstücke, aber ernsthaft veröffentlichen konnte er in der Sowjetunion nicht. Er war ein bunter Hund, bekannt für seine amourösen und künstlerischen Eskapaden, für seine modische Extravaganz und seine schrägen Bekanntschaften. Er umgab sich mit Menschen, die vielleicht geistig nicht ganz da waren, dafür aber ihre Meinung offen sagten und die Freiheit des Denkens demonstrierten. Diese Narrenfreiheit zahlten sie mit regelmäßigen Aufenthalten in der Psychiatrie.

Er selbst wurde immer wieder von den Geheimdiensten verhört und verhaftet – vielen ist ein Wunder, dass er nicht in einem NKWD-Lager verschwand. Der Weg in die offizielle Literatur blieb ihm verschlossen. Sein verrücktes Leben endete bitter. Für unzurechnungsfähig erklärt, wurde Daniil Charms zur Zwangsheilung in die Gefängnispsychiatrie eingewiesen. Dort starb er am 2. Februar 1942 während der schlimmsten Hungermonate der Blockade Leningrads, wahrscheinlich an Unterernährung.

Puppenspiel, Performance: Heiki Ikkola, Sabine Köhler, JARNOTH | Pantomime: Wolfram von Bodecker & Alexander Neander | Tanz: Jule Rottluff | Schauspiel: Kathleen Gaube | Seiltanz: Nadine Tobler | Artistik: Moritz Haase | Live-Musik, Performance: Tobias Herzz Hallbauer | Videooperator: Beate Oxenfart | Live-Kamera: Eckart Reichl | Lichtdesign: Josia Werth | Warm-up & Aftershow-Konzert: Kapelle Krambambuli

Die Produktion entstand 2026 in Kooperation mit dem Societaetstheater Dresden.

Dauer: ca. 90 Minuten

Zusätzlich zur Vorstellung gibt es 19:30 Uhr ein musikalisches Warm-up und danach ein Aftershow-Konzert und Tanz mit der Kapelle Krambambuli!

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

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