Thomas Mann, der Unpolitische? Der Eindruck mag, basierend auf einem bekannten Buch von ihm, gleich nach dem Ersten Weltkrieg berechtigt gewesen sein. Schon früh aber engagierte sich der berühmte Autor gegen „den Hakenkreuz-Unfug“ und jede Art von Antisemitismus. So hielt er stark besuchte öffentliche Reden, etwa seine „Deutsche Ansprache“ im Oktober 1930. Goebbels schickte damals in den Berliner Beethovensaal 20 SA-Männer, in Smokings verkleidet, die einen Tumult provozierten.

In einer viel beachteten neuen Studie über Mann arbeitet der Münsteraner Literatur-Professor Kai Sina jetzt erstmals heraus, wie sehr sich der große Schriftsteller gegen die Nazis stemmte und wie er sich schon früh für die zionistischen Ideen einsetzte und die Gründung eines jüdischen Staates. Dies erst recht ab 1943, als er Kenntnis von der Vernichtung der Juden durch die Nazis erlangt hatte. Dabei betonte er aber auch die Rechte der in Palästina lebenden Araber. Im Exil in Kalifornien wandte der Nobelpreisträger viel Energie und Zeit auf, um in Radioansprachen via BBC und zahllosen Vortragsveranstaltungen in den USA vor der Gefährlichkeit des Hitler-Regimes zu warnen. Die Nazis hatten ihren prominenten Gegner schon bald nach der Machtergreifung 1933 mit Haftbefehl verfolgt und ausgebürgert.

Foto: Hans Scherhaufer

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