DIE FRAUEN VON NAGYRÉV - Premiere
Musiktheater
Brutalität war im verarmten ungarischen Dorf Nagyrév alltäglich. Viele der Männer waren kriegstraumatisiert und dem Alkohol verfallen. Die Frauen arbeiteten und sorgten sich um Kinder und Alltag. Und sie begannen sich zusammenzuschließen; töteten 300 Menschen, darunter ihre Ehemänner: die tödlichste, von Frauen angeführte Arsen-Epidemie der Geschichte.
Historisch völlig alleinstehend reiht sich das Geschehen dennoch in viele Erzählungen von Gewalt ein, in denen sich Frauen zur Wehr setzten und das Regime übernahmen: von den Amazonen in Kleists Penthesilea über Klytämnestra in Aischylos‘ Agamemnon bis zu Euripides‘ Medea.
Kann der Versuch, mit Gewalt gegen ein gewaltvolles System aufzubegehren, ein erster Schritt sein? Studierende der Hochschule für Musik Hanns Eisler verknüpfen in dem musiktheatralen Werk die Geschichte der Mörderinnen mit antiken Mythen und Utopien einer Gesellschaft ohne Gewalt, die von Vordenker*innen wie bell hooks inspiriert sind. Gesang und Schlagzeug verbinden experimentelle zeitgenössische Klänge mit volksliedartigen Reminiszenzen und improvisierter Percussion.
MIT Kirsi Alanko / Sara Wijlaars / Hanna Hábetler / Sophia Haider SCHLAGZEUG Lan Sticker REGIE / TEXT Christina Constanze Polzer DRAMATURGIE / TEXT Clara Magdalena Richter KOMPOSITION Cecelia Philippi Palumbo BÜHNE / KOSTÜM Pauline Heitmann MUSIKALISCHE EINSTUDIERUNG Yueyue Gu LICHT / TECHNISCHE UNTERSTÜTZUNG Marco Philipp MENTORAT REGIE Paul-Georg Dittrich ASSISTENZ BÜHNE / KOSTÜM Josefine Schmitz
CHRISTINA CONSTANZE POLZER studierte Schauspiel an der Anton Bruckner Universität Linz. Am dortigen Landestheater war sie von 2016-2018 als Nachwuchsschauspielerin im Schauspielstudio engagiert. Nach dem Studium arbeitete sie erst freischaffend (u.a. TdJ Wien, Raimundspiele Gutenstein), bevor sie 2019–2023 am Tiroler Landestheater Innsbruck engagiert war. 2023 inszenierte sie in Klagenfurt „All das Schöne“ von D. Macmillan, 2024 folgte nach dem Gewinn des Südtiroler FRINGE-Wettbewerbs ihre erste Operninszenierung: „LORIT – Eine Endzeitoper“, gezeigt im Teatro SanbàPolis (Trient/Trento), an den Vereinigten Bühnen Bozen/Bolzano und am Tiroler Landestheater.
CECELIA PHILIPPI PALUMBO ist eine niederländisch-amerikanische Komponistin, Bratschistin, Pianistin und Künstlerin und studiert seit 2024 Komposition an der HfM Hanns Eisler bei Hanspeter Kyburz und James Wood. Sie ist vielfache Preisträgerin internationaler Kompositionswettbewerbe und lässt sich inspirieren von Literatur, Geschichte, Mathe und anderen Wissenschaften. Ihre Kompositionen wurden u.a. vom Matangi Quartett aufgeführt, dem HERMESensemble, NBE und vom Berliner Lautsprecherorchester sowie bei der Gaudeamus Muziekweek und November Music. Letzte Projekte waren das Kinderballett „Paloma“ und Musiktheaterstück „Nachtfalter“. Sie ist Mitbegründerin des Konzertformats „Zusammenhall“.
Pauline Heitmann ist Bühnen- und Kostümbildnerin mit Arbeitsschwerpunkt in Berlin und München. Sie studierte Theaterwissenschaften sowie Bühnen- und Kostümbild in Berlin, Leipzig und London. Momentan arbeitet sie als Kostümbildassistentin an den Münchner Kammerspielen, wo sie zuletzt für „Balance and Harmony“ das Kostümbild gestaltete.Ihre gestalterische Praxis bewegt sich zwischen Musiktheater, Schauspiel, Performance und Film, mit einem besonderen Interesse für Räume und Kostüme, in denen geltende Machtstrukturen hinterfragt und Utopien erprobt werden. Eigene Arbeiten entstanden u.a. im Rahmen der Bayreuther Festspiele 2025, gemeinsam mit dem Kollektiv prog.dep.89 in der Halle 6 sowie der Reaktorhalle München.
CLARA MAGDALENA RICHTER studierte Musikwissenschaft und Philosophie an der HU Berlin sowie Musik an der Durham University. 2024 begann sie ihren Master in Produktionsdramaturgie an der HfM Hanns Eisler. In ihrem Studium beschäftigte sie sich hauptsächlich mit der Forschung zu Komponistinnen und feministischen Ansätzen im Musiktheater. Sie arbeitete als Dramaturgin für die Kinderoper „Tannhäuser“ bei den Bayreuther Festspielen, für das Uraufführungsprojekt „What Joy“ bei den „Neuen Szenen VII” in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin und die Stückentwicklung „nirgend_anders“ mit der jungen norddeutschen philharmonie. 2022-25 war sie als Dramaturgin am Kinderopernhaus Berlin engagiert.