Quelle: Reservix

Samstag, 11.07.2026
um 18:00 Uhr




Giorgi Kalandarishvili, Oboe
Anna Kaczmarek-Kalandarishvili, Violine
Alex Gurfinkel, Klarinette
Hindenburg Leka, Viola
Shengzi Guo, Cello

Spielfreude und Noblesse in drei aparten Besetzungen. Das Ars ad Mundum Ensemble entfaltet Klangwelten, die selten zu erleben sind, weil hier die Oboe die erste Geige spielt – mitunter kommt auch eine Klarinette hinzu. Erlesen auch die Programmauswahl der Künstler:innen: „Apart“ ist ein reizvolles Spiel mit Klangfarben und Epochen, das zwischen klassischer Klarheit und Groteske, heitrem Gesang, Drama und Ironie schwingt.

Mit seinem Oboenquartett, einem freudesprühenden Minikonzert, erfand Mozart die Gattung. Die Streicher kommentieren die Oboe, die sich, beweglich, arienhaft, expressiv, bis in die höchsten Töne und dunkelsten Schattierungen auslebt – ein Bravourstück, das keine Effekte hascht, sondern von innen her glänzt. Spannung, als lauerte Unruhe unterm Äußren, durchzieht Brittens „Phantasy“. Das Quartett des 18-Jährigen wirkt improvisatorisch, atmosphärisch dicht in seiner Anmut und nüchternen Melancholie. Gideon Klein war 24, als er 1944, kurz vor seinem Tod im Kohlebergwerk Auschwitz-Fürstengrube, sein Streichtrio im KZ Theresienstadt komponierte: lyrische Introspektion und modernistische Schärfe, Würde und Entschlossenheit. Und Sehnsucht nach der mährischen Heimat, ironische Leichtigkeit am Ende? „Die Kunst in Theresienstadt führte ohne überflüssige Arabesken vor, was den Leuten in dieser durch Erniedrigung und Gewalt monströs deformierten Welt so sehr fehlte, nämlich das menschliche Antlitz, das eines freien Menschen würdig gewesen wäre.“ Hoch über dem ästhetischen Genuss stand hier ein moralisches Ideal, das eine unschätzbare Unterstützung im Ertragen der tagtäglichen Demütigungen war.“ (Lubomír Peduzzi: Musik im Ghetto Theresienstadt. Brno 2005)

20 Jahre zuvor schrieb Prokofjew in Paris sein g-Moll-Quintett, ursprünglich als Ballettmusik zu Episoden aus dem Zirkusleben. In den theatralisch aufgeladenen, faszinierend aufreizenden Klängen hat der Zirkus seine Unschuld verloren – so wie die gesellschaftliche Normalität in den sog. Goldenen Zwanzigern: ein groteskes Kopf-Ballett mit dem „Maschinenrhythmus“ Prokofjews, mit Elefant, Jongleur, Akrobat und Clown, die virtuos stolpern, zanken, tanzen.

Apart
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): Quartett F-Dur für Oboe, Violine, Viola, Violoncello, KV 370
Benjamin Britten (1913–1976): Phantasy Quartett für Oboe, Violine, Viola, Cello, op. 2
Gideon Klein (1919–1945): String Trio (1944)
Sergei Prokofjew (1891–1953): Quintett g-Moll für Oboe, Klarinette, Violine, Viola, Kontrabass (Cello), op. 39

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