Mittwoch, 24.01.2018

Ausstellung
Follow Fluxus Gerrit Frohne-Brinkmann / Corpse Flowers
24.01.2018 in Wiesbaden

Fast lebensgroße Keramiknachbildungen zeigen Blüten von verschiedenen Corpse Flowers, also von Blumen, die mit intensivem Geruch Insekten zur Bestäubung anlocken. Dabei imitieren diese Pflanzen den Geruch und mit ihren fleischigen Blütenblättern auch das Aussehen von Kadavern. Wenn Gerrit Frohne-Brinkmann nun den Phänotyp dieser Aasblumen mit künstlerischen Mitteln nachahmt, entsteht eine Situation der doppelten Mimikry: Die Skulpturen machen sich das Täuschungsmanöver der Pflanzen zu eigen. In Kombination mit der kurzen Lebenszeit der tatsächlichen Blüten wird die an den Barock erinnernde Opulenz der Blüten gleichfalls zum Vanitas-Motiv, das sie in den Grenzbereich zwischen Leben und Tod rückt. Diesen kurzen, flüchtigen Zustand der Blüte verwandelt der Künstler in dauerhafte Keramikskulpturen, schafft aber zugleich durch die Einbettung eines flüchtigen olfaktorischen Reizes in die Installation einen extremen Gegensatz zu den überdauernden Skulpturen. Indem sich Frohne-Brinkmann diese performative Geste der Pflanzenwelt aneignet, werden seine Skulpturen zu Akteuren, von denen die BesucherInnen zugleich angezogen und abgestoßen werden und die somit das Verhältnis von unbelebter, passiver Skulptur und handelndem Gegenüber zu einem gewissen Grad auflösen.



Der spezielle Duft der natürlichen Blüten übt in erster Linie eine große Anziehungskraft auf einige Fliegen- und Käferarten aus, auf die die Pflanzen zur Bestäubung angewiesen sind. Mindestens genauso attraktiv wirken die Blüten aber auch auf Touristenschwärme. Die Titanenwurz (Amorphophallus titanum), die den größten unverzweigten Blütenstand hervorbringt und damit als größte Blume des Pflanzenreiches gilt, zieht während ihrer nur etwa drei Tage dauernden Blüte massenhaft Besucher weltweit in die Gewächshäuser botanischer Gärten, aber auch in die Regenwälder ihrer Heimat Sumatra. Die Riesenrafflesie (Rafflesia arnoldii) bildet die größte Blüte der Welt. Sie überdauert weniger als eine Woche und wird deshalb von vielen Touristen in ihrem natürlichen Lebensraum in Indonesien aufgesucht, findet sich aber aufgrund ihrer Rekordgröße als Nachbildung beispielsweise auch im Frankfurter Senckenbergmuseum. Diese botanischen Extreme führen zu einem Sensationalismus, der durch zusätzliche Inszenierung aus dem Erblühen der Aasblumen ein Event schafft. In der Pointierung des Spektakelcharakters liegt eine Parallele von Corpse Flowers zu Gerrit Frohne-Brinkmanns zuletzt entstandenen Arbeiten, in denen er archaische Lebensformen oder natürliche Erscheinungen mit Elementen der Vergnügungs- und Unterhaltungsindustrie, speziell mit Formen der Inszenierung, wie sie in Filmen oder Zauber- und Entertainment-Shows genutzt werden, verbindet. Diese Formen der Inszenierung nimmt Gerrit Frohne-Brinkmann auf und überführt sie in den Ausstellungsraum, wo er sie nachinszeniert, zugleich aber auch spielerisch offenlegt und akzentuiert.



Gerrit Frohne-Brinkmann (*1990, Friesoythe) studierte an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Andreas Slominski und Ceal Floyer. Zuletzt waren seine Arbeiten in der Ausstellung zum VG Stipendium 2017 in der Kestner Gesellschaft Hannover sowie in der Einzelausstellung WE HAVE A T-REX in der Artothek Köln zu sehen. Er lebt und arbeitet in Hamburg.



Gerrit Frohne-Brinkmann ist der zehnte Stipendiat des von der Landeshauptstadt Wiesbaden und dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden ins Leben gerufenen Stipendiums Follow Fluxus – Fluxus und die Folgen. Er wurde von Bettina Steinbrügge, Direktorin des Kunstvereins in Hamburg, und Dr. Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig Köln, für das höchstdotierte Wiesbadener Stipendium nominiert. Ziel des Stipendiums ist es, internationale junge Künstlerinnen und Künstler zu fördern, die in ihrem Werk die Ideen der Kunstbewegung Fluxus aufgreifen und diese weiterentwickeln. Neben einem Preisgeld in Höhe von 10.000 € beinhaltet das Stipendium einen dreimonatigen Arbeitsaufenthalt in der hessischen Landeshauptstadt sowie eine Einzelausstellung im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden.



Die fünfköpfige Jury 2017 setzte sich zusammen aus Simone Neuenschwander, Direktorin des Kunstvereins Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft, Christian Jankowski, Konzeptkünstler mit einer Professur für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und Kurator der Manifesta 11 (2016), Michael Berger, Fluxus-Sammler und Mäzen, Wiesbaden, Dr. Isolde Schmidt, Referentin für Bildende Kunst, Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden, und Elke Gruhn, Künstlerische Leitung, Nassauischer Kunstverein Wiesbaden. Die Jury entschied aus 57 Nominierungen.



Die bisherigen Follow Fluxus-Stipendiaten waren Emily Wardill (Großbritannien), Jimmy Robert (Guadeloupe), Aslı Sungu (Türkei), Kateřina Šedá (Tschechische Republik), Stefan Burger (Schweiz), Annette Krauss (Niederlande), Taro Izumi (Japan), Mehreen Murtaza (Pakistan) und Adriana Lara (Mexiko).



 



Abb.: Gerrit Frohne-Brinkmann, Corpse Flowers, 2017, Courtesy Galerie Noah Klink, Jürgen Becker Galerie und der Künstler, © Der Künstler, Foto: Volker Renner




Dienstag 14-20 Uhr
Mittwoch bis Freitag 14-18 Uhr
Samstag und Sonntag 11-18 Uhr

Donnerstag, 25.01.2018

Ausstellung
Follow Fluxus Gerrit Frohne-Brinkmann / Corpse Flowers
25.01.2018 in Wiesbaden

Fast lebensgroße Keramiknachbildungen zeigen Blüten von verschiedenen Corpse Flowers, also von Blumen, die mit intensivem Geruch Insekten zur Bestäubung anlocken. Dabei imitieren diese Pflanzen den Geruch und mit ihren fleischigen Blütenblättern auch das Aussehen von Kadavern. Wenn Gerrit Frohne-Brinkmann nun den Phänotyp dieser Aasblumen mit künstlerischen Mitteln nachahmt, entsteht eine Situation der doppelten Mimikry: Die Skulpturen machen sich das Täuschungsmanöver der Pflanzen zu eigen. In Kombination mit der kurzen Lebenszeit der tatsächlichen Blüten wird die an den Barock erinnernde Opulenz der Blüten gleichfalls zum Vanitas-Motiv, das sie in den Grenzbereich zwischen Leben und Tod rückt. Diesen kurzen, flüchtigen Zustand der Blüte verwandelt der Künstler in dauerhafte Keramikskulpturen, schafft aber zugleich durch die Einbettung eines flüchtigen olfaktorischen Reizes in die Installation einen extremen Gegensatz zu den überdauernden Skulpturen. Indem sich Frohne-Brinkmann diese performative Geste der Pflanzenwelt aneignet, werden seine Skulpturen zu Akteuren, von denen die BesucherInnen zugleich angezogen und abgestoßen werden und die somit das Verhältnis von unbelebter, passiver Skulptur und handelndem Gegenüber zu einem gewissen Grad auflösen.



Der spezielle Duft der natürlichen Blüten übt in erster Linie eine große Anziehungskraft auf einige Fliegen- und Käferarten aus, auf die die Pflanzen zur Bestäubung angewiesen sind. Mindestens genauso attraktiv wirken die Blüten aber auch auf Touristenschwärme. Die Titanenwurz (Amorphophallus titanum), die den größten unverzweigten Blütenstand hervorbringt und damit als größte Blume des Pflanzenreiches gilt, zieht während ihrer nur etwa drei Tage dauernden Blüte massenhaft Besucher weltweit in die Gewächshäuser botanischer Gärten, aber auch in die Regenwälder ihrer Heimat Sumatra. Die Riesenrafflesie (Rafflesia arnoldii) bildet die größte Blüte der Welt. Sie überdauert weniger als eine Woche und wird deshalb von vielen Touristen in ihrem natürlichen Lebensraum in Indonesien aufgesucht, findet sich aber aufgrund ihrer Rekordgröße als Nachbildung beispielsweise auch im Frankfurter Senckenbergmuseum. Diese botanischen Extreme führen zu einem Sensationalismus, der durch zusätzliche Inszenierung aus dem Erblühen der Aasblumen ein Event schafft. In der Pointierung des Spektakelcharakters liegt eine Parallele von Corpse Flowers zu Gerrit Frohne-Brinkmanns zuletzt entstandenen Arbeiten, in denen er archaische Lebensformen oder natürliche Erscheinungen mit Elementen der Vergnügungs- und Unterhaltungsindustrie, speziell mit Formen der Inszenierung, wie sie in Filmen oder Zauber- und Entertainment-Shows genutzt werden, verbindet. Diese Formen der Inszenierung nimmt Gerrit Frohne-Brinkmann auf und überführt sie in den Ausstellungsraum, wo er sie nachinszeniert, zugleich aber auch spielerisch offenlegt und akzentuiert.



Gerrit Frohne-Brinkmann (*1990, Friesoythe) studierte an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Andreas Slominski und Ceal Floyer. Zuletzt waren seine Arbeiten in der Ausstellung zum VG Stipendium 2017 in der Kestner Gesellschaft Hannover sowie in der Einzelausstellung WE HAVE A T-REX in der Artothek Köln zu sehen. Er lebt und arbeitet in Hamburg.



Gerrit Frohne-Brinkmann ist der zehnte Stipendiat des von der Landeshauptstadt Wiesbaden und dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden ins Leben gerufenen Stipendiums Follow Fluxus – Fluxus und die Folgen. Er wurde von Bettina Steinbrügge, Direktorin des Kunstvereins in Hamburg, und Dr. Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig Köln, für das höchstdotierte Wiesbadener Stipendium nominiert. Ziel des Stipendiums ist es, internationale junge Künstlerinnen und Künstler zu fördern, die in ihrem Werk die Ideen der Kunstbewegung Fluxus aufgreifen und diese weiterentwickeln. Neben einem Preisgeld in Höhe von 10.000 € beinhaltet das Stipendium einen dreimonatigen Arbeitsaufenthalt in der hessischen Landeshauptstadt sowie eine Einzelausstellung im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden.



Die fünfköpfige Jury 2017 setzte sich zusammen aus Simone Neuenschwander, Direktorin des Kunstvereins Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft, Christian Jankowski, Konzeptkünstler mit einer Professur für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und Kurator der Manifesta 11 (2016), Michael Berger, Fluxus-Sammler und Mäzen, Wiesbaden, Dr. Isolde Schmidt, Referentin für Bildende Kunst, Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden, und Elke Gruhn, Künstlerische Leitung, Nassauischer Kunstverein Wiesbaden. Die Jury entschied aus 57 Nominierungen.



Die bisherigen Follow Fluxus-Stipendiaten waren Emily Wardill (Großbritannien), Jimmy Robert (Guadeloupe), Aslı Sungu (Türkei), Kateřina Šedá (Tschechische Republik), Stefan Burger (Schweiz), Annette Krauss (Niederlande), Taro Izumi (Japan), Mehreen Murtaza (Pakistan) und Adriana Lara (Mexiko).



 



Abb.: Gerrit Frohne-Brinkmann, Corpse Flowers, 2017, Courtesy Galerie Noah Klink, Jürgen Becker Galerie und der Künstler, © Der Künstler, Foto: Volker Renner




Dienstag 14-20 Uhr
Mittwoch bis Freitag 14-18 Uhr
Samstag und Sonntag 11-18 Uhr
Kunst & Kultur
"Wiener Klassik" Wiesbaden 2017/2018 - "Wiener Klassik im Kurhaus Wiesbaden"
25.01.2018 in Wiesbaden

Liebe Freunde der Wiener Klassik,
unsere große Konzertreihe konnte in Bonn im vergangenen Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiern. Auch in den anderen Städten, in denen die Klassische Philharmonie Bonn regelmäßig gastiert, rückt dieses Jubiläum in greifbare Nähe. Bestärkt von dieser großen Akzeptanz setzen wir auch in der kommenden Spielzeit das Erfolgsrezept feinfühlig kuratierter Konzertabende rund um den programmatischen Schwerpunkt der Wiener Klassik fort. Da die Nachwuchsförderung seit jeher eine zentrale Rolle bei der Klassischen Philharmonie Bonn spielt, freuen wir uns in diesem Jahr besonders auf die Kooperationen mit dem Internationalen Mozartwettbewerb des Mozarteum Salzburg und der International Telekom Beethoven Competition Bonn. Die jungen und hochmotivierten Preisträger dieser Wettbewerbe erhalten die Möglichkeit, sich in den ersten Konzertsälen Deutschlands zu präsentieren und Publikum wie Orchester von ihren Fähigkeiten zu überzeugen. Es verwundert nicht, dass sich heute bspw. bei den Berliner Philharmonikern und Münchner Philharmonikern und etlichen anderen renommierten Orchestern weltweit Musiker finden, die bei der Klassischen Philharmonie Bonn ihre Karriere be - gonnen haben. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen bei den Konzerten. Ihre Klassische Philharmonie Bonn Der Internationale Mozartwettbewerb der Universität Mozarteum zählt zu den großen Musikwettbewerben weltweit. Für viele der jungen und hochtalentierten Musiker war die Teilnahme an diesem Wettbewerb ein wichtiger Impuls und oft ein Sprungbrett zur künstlerischen Weltkarriere. Die letzten Preisträger der Sparten Violine und Klavier aus dem Jahr 2016 werden uns für das November- und Märzprogramm begleiten. Die International Telekom Beethoven Competition Bonn ist ein international renommierter Klavierwettbewerb, der alle zwei Jahre von der Deutschen Telekom veranstaltet wird und sich als Begegnungsstätte von vielversprechenden jungen Pianisten in der Geburtsstadt Ludwig van Beethovens versteht. Der nächste Wettbewerb findet vom 1.-9. Dezember 2017 statt, wobei der erste Preisträger uns bei unserem Februarprogramm begleiten wird.

Programmeinführung: 19:15 Uhr

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Kunst & Kultur
Giora Feidman & Rastrelli Cello Quartett - Feidman plays Beatles
25.01.2018 in Wiesbaden

Feidman plays Beatles

Giora Feidman & Rastrelli Cello Quartett

Es gibt sie also doch noch, die kleinen Sensationen, die selbst die Musikwelt für einen Moment aus dem Takt bringen können. Schon wenige Tage nachdem die Nachricht die Runde machte, dass der Maestro zusammen mit dem Rastrelli Cello Quartett das große Beatles Songbook aufgeschlagen hat, um für 2017 ein hundertminütiges Programm zusammenzustellen, das ausschließlich aus Kompositionen der Fab Four bestehen wird, waren die ersten Shows gebucht. Sozusagen vom Fleck weg, während der Jubiläumstournee im April 2016, auf der diese Formation und ihr Programm "Cello meets Klezmer" gerade frenetisch gefeiert wurden. Und dann das?!

Wie so oft war die gute Idee nicht nur der Antrieb, sondern auch der Schlüssel dazu, dem aktuellen Erfolg noch eins draufzusetzen; allen Widrigkeiten zum Trotz, denn außer einer versteckten Vorankündigung im zurzeit laufenden Programm, fiel bis dato kein öffentlicher Ton. Feidman und die Rastrellis surfen auf Vorschuss und das verpflichtet. Was denn sonst?

Dass der kreative Wind, der eigentlich von hinten in die Segel blasen sollte, um die Arbeit gedeihlich voranzutreiben, sich einen Notenschlüssel darum schert, merkten die fünf Musiker gleich zu Beginn Ihrer Arbeit an diesem Projekt. Gegenwind!

Konnten die Beatles die Richtung ihrer im Kern recht simplen Kompositionen durch die Kombination von Gesang und Text bestimmen und ihren Songs damit den legendären Glanz verleihen, mussten die fünf Instrumentalisten dieses letztere Element durch ein anderes ersetzen. Mit der virtuosen Umsetzung der fabelhaften und nahezu genialen Arrangements des Ensemblemitglieds Sergej Drabkin sowie des slowakischen Komponisten Peter Breiner ist dies Giora Feidman und dem Rastrelli Cello Quartett vortrefflich gelungen. Die Fangemeinde darf sich zu Recht auf die Urauffführung, die am 25. November in der Berliner Philharmonie stattfinden wird, freuen. Die sich anschließende Premierentournee im Januar 2017 wird die Musiker durch 25 deutsche Städte führen.

Das aus Israel stammende Jerusalem Duo - mit Hila Offek an der Harfe und André Tsirlin auf dem Saxofon - wird die Konzerte als "special guest" zusätzlich bereichern. Freuen Sie sich auf einen außergewöhnlichen Musikabend, denn so zeitlos und generationsübergreifend werden sie Giora Feidman noch nie erlebt haben.

Einlass: 19:00 Uhr