»Unsere Beziehung ist bestimmt durch das Aushalten der Abstände, deren wahre Ausmaße für uns im Verborgenen bleiben, deren Überwindung wir dennoch anstreben, jedes Mal aufs Neue.«
Ilijas Vater hat genug. Die Kinder sind erwachsen, seine Ehe ist geschieden, das letzte gepachtete Restaurant hat sich nicht getragen. Er entscheidet sich zur Rückkehr nach Kroatien, 30 Jahre, nachdem er sich von dort auf den Weg nach Deutschland gemacht hat. Die Familie wird einsilbig informiert, die Distanz, die zwischen Vater und Sohn schon immer herrschte, wird dadurch nicht kleiner. Doch Ilijas jährliche Besuche beim Vater verschieben etwas. Trotz ihrer heftigen Streits am Anfang eines jeden Wiedersehens kommen sie sich bei Bootstouren, Familientreffen und beim gemeinsamen Schweigen näher und stellen fest, wie ähnlich sie sich in vielen Punkten sind, nicht zuletzt in jenem, nie irgendwo angekommen zu sein.
Nach seinem eindrücklichen Essayband »Verdunstung in der Randzone« (2023) legt Ilija Matusko mit »Jugo« nun seinen ersten Roman vor. Hier wie dort werden Fragen nach Herkunft und Zugehörigkeit gestellt, aber während in der essayistischen Erkundung der eigenen Familie die soziologische Perspektive im Zentrum stand, beeindruckt Matusko in seinem literarischen Debüt nun mit der zärtlichen Konzentration, mit der er eine belastete Vater-Sohn-Beziehung und das Ringen zweier Männer um Nähe ausleuchtet.
Moderation: Björn Jager
Eintritt: € 6,-/9,-/12,- (pay as you wish)
Iljia Matusko, geboren 1980, hat Soziologie und Politikwissenschaften studiert. Er lebt und arbeitet als freier Autor in Berlin. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Stipendien, u. a. ein Stipendium des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt sowie ein Stipendium in der Villa Aurora in Los Angeles. 2023 erschien »Verdunstung in der Randzone« in der edition suhrkamp. »Jugo« ist sein Romandebüt.