Donnerstag, 09.04.2026
um 20:00 Uhr




Uraufführung von Fabienne Dür

Ein Shoppingcenter, wie es in wirklich jeder Stadt stehen könnte, eine Geisterbahn, die ihre besten Jahre im Tourbetrieb hinter sich hat und drei Figuren, die weder vor noch zurück können: Das ist das „Geisterhaus“. Hereinspaziert, hereinspaziert!

Marina möchte promovieren, findet kein Stipendium und landet so als Kartenabreißerin im Geisterhaus. Sunny, Live-Erschreckerin, steckt nicht nur in diesem Job fest, sondern auch in einer Ex-Beziehung. Boris, genannt Boss, betreibt das Geisterhaus – und versteht nicht, warum nur Schulklassen und Junggesellenabschiede vorbeikommen. Jeden Versuch von Marina, die Bahn zu verbessern, schlägt Boss aus – schließlich sei sie ein traditionsreiches Familienunternehmen. Ob das stimmt, wird schnell fraglich – ebenso wie andere Gewissheiten der Figuren. Stecken sie wirklich hier fest oder trauen sie sich einfach nicht, den Schritt ins Ungewisse zu wagen?

Mit skurrilem Humor, schrägen Figuren und einem feinen Gespür für Situationskomik erzählt Fabienne Dürs neues Stück von einem kollektiven Lähmungszustand: Lassen wir uns von unseren Ängsten leiten? Oder können wir den Mut aufbringen – trotz aller Krisen – hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken?

Entstanden im Rahmen der Hausautorinnenschaft in der Spielzeit 2024/25, gefördert durch die Baden-Württemberg Stiftung.

Es spielen: Johanna Engel, Stefan Herrmann, Jel Woschni
Inszenierung: Tobias Schilling            
Ausstattung: Birgit Angele              
Dramaturgie: Dr. Stefan Tigges
Szenenfotos: Tobias Schilling

Um 20 Uhr, Einführung um 19.30 Uhr        
Veranstaltungsort Löwen, Kornhausstraße 5

HINWEIS
In der Vorstellung gibt es stellenweise leichte stroboskopähnliche Lichteffekte. Außerdem kommen Zigarettenrauch, Nebel sowie kurze Passagen mit erhöhter Lautstärke zum Einsatz.

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DAS SAGT DIE PRESSE

Elisabeth Maier - Theater der Zeit
„Riesige schwarze Plastikbälle ziehen das Publikum in eine Gruselwelt. […] Da wecken Totenköpfe und blutige Gummihände in Tobias Schillings Inszenierung von „Geisterstück“ zwar die Lust am wohligen Gruselschauer, doch der Text geht viel tiefer. Die Menschen, die diese aus der Zeit gefallene Jahrmarktattraktion bespielen, sind von Zukunftsängsten zerfressen. In der gespenstischen Welt spielen sie eine Rolle. Im ehemaligen Tübinger Kino „Löwen“, der zweiten Spielstätte des Zimmertheaters, verblüfft Angele die Zuschauer:innen mit einem Angstraum. Die Ausstattung setzt die großartigen Milieu- und Menschenporträts Autorin spektakulär in Szene. […] 
Dür ist eine der klugen, gesellschaftskritischen Stimmen ihrer Autor:innengeneration. Im „Geisterstück“ blickt sie hinter die hippe Fassade der gescheiterten Träumer:innen. Sie wollen dem Mief entfliehen, aber sehen das Licht am Ende des Tunnels nicht. Fabienne Dürs Stärke ist, die Entwicklung ihrer Figuren klug und sensibel nachzuzeichnen. Mit seinem Macho-Gehabe ist das bei Boss, Vorname Hugo, dem Chef und Live-Erschrecker, erst mal nicht so leicht zu greifen. Im Dracula-Kostüm bedient Stefan Herrmann sämtliche Klischees. Dabei schöpft der Schauspieler aus dem Vollen seines großen komödiantischen Potenzials. Mit der Zeit blättern seine Lebenslügen aber von ihm ab wie Schorf. Diesen Spagat meistert der Schauspieler grandios. Angst ist das stärkste Gefühl, welches dieser Mann kennt.
Frustriert vom Leben ist Marina, die von der hoffnungsvollen Studentin zur Ticketverkäuferin abgestiegen ist. Gegen die „Anwaltskinder und Jugend-debattiert-Arschlöcher“ habe sie keine Chance, sagt sie frustriert. Düster schattiert klingt Johanna Engels Stimme, wenn sie von den vergeigten Perspektiven spricht. Und von den verdrängten Alltagsängsten vor Amok-Schützen oder Unfällern. Schön erfasst sie Dürs volle, feinfühlige Sprache: „Ich weiß gar nicht, wo diese Bilder herkommen, das sind ja nicht meine, aber ich bekomme sie nicht aus dem Kopf.“ […] Wunderschön träumt sich Woschni in die unerfüllten Sehnsüchte der Live-Erschreckerin hinein. Was es bedeutet, mit der Arbeit auch die eigene Identität zu verlieren, zeigt Sunnys verzweifelte Zerrissenheit. Die Figur steht für eine Generation, die angesichts der Klimakrise den Glauben an die Zukunft verloren hat.
Mit den drei starken Schaupieler:innen erfasst Regisseur Tobias Schilling auch die Tiefenschichten von Fabienne Dürs Text. Die Reisen, die ihre Figuren ins eigene Unterbewusstsein unternehmen, haben etwas Magisches. Auf diese surreale Ebene lässt sich der Regisseur in der Zwischenwelt der Untoten ein. Wenn Sunny mit glitzernd stilisierten Engelsflügeln durch den Raum schreitet, spürt das Publikum Hoffnung und Aufbruch, die es in der Welt des Konsumterrors schon lange nicht mehr gibt. „Geisterstück“ ist in Schillings Uraufführung nicht nur die schaurig schöne Geschichte dreier Menschen, die nach einem anderen Leben gieren. In der Geisterbahn verhandelt Fabienne Dür die Zukunftsängste einer Generation, die nicht die letzte sein will.“

Schwäbisches Tagblatt - Peter Ertle
„Hölle! Was für ein Bühnenbild! Der ganze Löwen (rooaaaaarh!) mit glitzernd Silberpapier (Bühne: Birgit Angele) ausgekleidet, von der Theke schreit einem ein bunter Strauß blutiger Greueltaten entgegen, weiter oben dräuend dunkle Ballone wie Schlingpflanzen, unten eine Schiene, ein Wagen drauf, wie im tiefsten Schlund des Kohlebergbaus. […] Fort möchte man da sogleich und dann doch wieder nicht, weil alles von vornherein auch eine trashige, schwarzhumorige, jahrmarktstaugliche Seite hat in dieser Horror Picture Show. […] Das Stück lebt von Wortwitz, Clownerien, den Einblicken ins kriselnde Leben der Protagonisten, ihren Beziehungen zueinander […] Da gelingen dieser Inszenierung Tobias Schillings ein paar große Momente im Kleinen, etwa eine Begrüßungsszene zwischen Boss und Sunny, ein kurzer Brennspiegel, der mehr erzählt, als es eine längere Abhandlung über das Verhältnis der beiden könnte. […] Die Gegenwart jedenfalls spukt und laboriert mehr als dass sie lebt, skurril, komisch, zwischen Live-Erschreckern, Sensenmannskostümen, blutigen Händen und einbeinigen Hosen, mit Dialogen, die müde und cool, zart und verstörend sind – und ab und zu mal ein tiefes Loch reißen, in dem Erschrecken, Sehnsucht oder ein dickes Fragezeichen Platz haben. […] Wie im richtigen Leben eben, im Draußendraußen, wo wir sitzen, die wir auch wieder ein Draußen haben. Wahrscheinlich funktioniert Theater ja genauso, als Spiegelkabinett verschiedener Räume, bei denen es nicht sicher, ja nicht einmal wichtig ist, was real und was fiktiv ist oder was sich worin spiegelt. Sondern ob uns das Ganze unterhält und etwas über uns zu erzählen scheint.“

Reutlinger Generalanzeiger - Thomas Morawitzky
„Gibt es einen besseren Ort für echten Horror als eine Shopping-Mall? […] Ein seltsamer Zwischenort, bewohnt von seltsamen Gestalten. Der Boss ist in der Geisterbahn selbst auch als »Live-Erschrecker« aktiv, vor allem aber ist das leibhaftige Erschrecken die Aufgabe von Sunny, eigens angestellt zu diesem Zweck, im Kostüm des Sensenmanns. Ihr Beruf ist es, Menschen zu erschrecken, selbst hängt sie in einer schlechten Beziehung fest, getraut sich nicht hinaus ins Leben. Jel Woschni spielt diese Figur zaghaft, gebrochen, voller Trotz. […] Birgit Angele hat für das »Geisterstück« eine Bühne gebaut, die eine echte Geisterbahn vor Augen führt: Da hängen lange silberne Bahnen von der Decke, steigen silberne Stufen auf, füllen große schwarze Ballons einen Hintergrund, in dem immer wieder mal ein Schreckgespenst erscheint, und vorne laufen Bahngleise, verschwinden im Dunkel. […] Das »Geisterstück« trumpft mit makabren Gags auf, mit schrägen Reimen, spricht auch vom wahren Horror, vermischt Trauer und Komik. Vor allem aber interessiert es sich für die skurrilen Charaktere, die am Ort des unwirklichen Schreckens Zuflucht suchen, für ihre Träume, Hoffnungen, Gebrochenheiten, weckt Sympathien für diese Außenseiter. Nur: Ganz zuletzt lässt die Tübinger Inszenierung es sich nicht nehmen, ihrem Publikum einen mächtigen Schrecken einzujagen.“
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E-Mail: tickets@zimmertheater-tuebingen.de

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

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