Von Juden lernen: Pikuach Nefesh - Leben vor Gesetz
Pikuach Nefesh ist ein jüdisches Prinzip, das die Rettung von Leben über alle anderen religiösen Gebote stellt. Ob Schabbatruhe, Speisegesetze oder Fastenvorschriften – sie alle dürfen gebrochen werden, wenn es darum geht, einen Menschen zu retten.
Das gilt nicht nur im akuten Notfall, sondern auch bei potenzieller Lebensgefahr. Und es gilt für jedes Leben – unabhängig von Religion oder Herkunft. Nur drei Ausnahmen gibt es: Mord, Götzendienst und sexuelle Gewalt.
Pikuach Nefesh ist damit eines der klarsten und kompromisslosesten ethischen Gebote, das das Judentum kennt. Denn es sagt: Nichts ist heiliger als das Leben selbst. Und dafür dürfen die Gesetze gebrochen werden.
Genau das macht es so relevant für unsere Gegenwart. Denn wir leben in einer Zeit, in der Prinzipien oft wichtiger scheinen als Menschen. In der Regeln schützen, aber auch ausschließen. In der sich Verantwortung gerne in Systemen verliert. Mirna Funk und ihr Gast Benjamin Fischer erinnern uns daran, dass Menschlichkeit manchmal bedeutet, ein System zu unterbrechen. Dass Fürsorge über Loyalität zu Strukturen stehen muss. Und dass es Situationen gibt, in denen der Gesetzesbruch das einzig Richtige ist.
Es ist kein bequemes Prinzip. Es stellt uns vor schwierige Entscheidungen. Es fordert Selbstverantwortung während der größtmöglichen Herausforderung. Nämlich ein Leben zu retten.