Mittwoch, 24.01.2018

Oper & Operette
Gaetano Donizetti: Viva la Mamma!
24.01.2018 in Stuttgart

Gaetano Donizettis 1827 in Neapel uraufgeführte komische Oper „Le convenienze ed inconvenienze teatrali“, im deutschsprachigen Raum besser bekannt als „Viva la Mamma“, ist eine Satire, die dem Zuschauer einige Einblicke hinter die intrigenreichen Kulissen des damaligen Theaterbetriebes eröffnet.
Deutsche Übersetzungen dieses vielschichtigen Titels, z.B. „Annehmlichkeiten und Unannehmlichkeiten des Theaters“ oder „Sitten und Unsitten am Theater“ können den weiten Assoziationsradius des Italienischen nur sehr ausschnitthaft widergeben. So wie es verschiedene Titel gibt, sind auch mehrere Fassungen bekannt. Noch im 19. Jahrhundert war es üblich, das Werk dem jeweiligen Aufführungsort und -anlass, den jeweils engagierten Sängern und deren Virtuosität anzupassen. Donizetti selbst überarbeitete und erweiterte 1831 die ursprünglich einaktige Farce für eine Aufführung in Mailand.
Durch einige inhaltliche Kniffe flechten der Regisseur Hendrik Müller und der musikalische Leiter Bernhard Epstein zusätzliches musikalisches Material von Donizetti selbst, aber auch von Gioacchino Rossini ein und erweitern das Stück so auf eine angenehme abendfüllende Komödienlänge.
Die Handlung lässt die Zuschauer teilhaben an der Probenarbeit zu einer fiktiven heroischen Oper „Romolo ed Ersilia“. Jeder - Sänger, Komponist, Dichter und Agent - verfolgt dabei zunächst vor allem seine eigenen Interessen. Der erste Teil des Stückes zeigt ein frühes Probenstadium, in dem die Komposition nicht vollendet, das Stück nur sehr partiell einstudiert ist und alle noch ihre Rangkämpfe austragen. Der zweite Teil dann spielt im Zeitraum der Schlussproben, wobei die Konfliktlage sich verschiebt von den Kämpfen untereinander zu dem Kampf des Künstlers mit der Materie und seiner Umgebung. Eine Aufführung wird „Romolo ed Ersilia“ nicht vergönnt sein.
Als überzeitliche wie zugleich sehr aktuelle Frage steht im Raum: Wie lange werden Künstler noch tun dürfen, was sie tun – in einer durchökonomisierten Welt, in der der Spieltrieb des Künstlers als nur mehr dekoratives Schmuckwerk gerade noch geduldet wird? Unsere Künstler spielen dagegen mit aller Macht an. Ihr Spieltrieb wird sich nicht wegrationalisieren lassen.

Mit: Arthur Canguçu, Emanuel Fluck, Koral Güvener, Snæbjörg Gunnarsdóttir / Lara Scheffler, Anna-Katharina Hilpert, Konstantin Krimmel, Robin Neck, Timoleon Sirlantzis, Paula Stemkens / Ho-Young Yang, Mathias Tönges

Musikalische Leitung: Bernhard Epstein
Regie: Hendrik Müller
Ausstattung: Marc Weeger

Mit dem Stuttgarter Kammerorchester
& Studierenden der HMDK Stuttgart
Musical
Cabaret - Musical von John Kander, Jo Masteroff u. Fred Ebb
24.01.2018 in Stuttgart

Berlin, Anfang der dreißiger Jahre. Der junge amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw ist auf der Suche nach Material für seinen neuen Roman. Da ist Berlin genau die richtige Stadt für ihn: überall Trubel, überall Leben!

Kaum angekommen, lernt Clifford einen Mann namens Ernst Ludwig kennen, der ihm ein Zimmer in seiner Pension vermittelt. So kann er sich am Abend beruhigt in das Berliner Nachtleben werfen, und er landet im Kit-Kat-Klub, durch dessen Programm ein die politische Atmosphäre der Zeit reflektierender, zynisch-zwielichtiger Conférencier führt. Star des Abends ist die englische Sängerin Sally Bowles, in die sich Clifford auf den ersten Blick verliebt. Als Sally bald darauf gekündigt wird, zieht sie kurzentschlossen in sein Zimmer und beide werden ein Paar. Fräulein Schneider, die Pensionswirtin, duldet diesen unhaltbaren Zustand nur, weil sie das Geld braucht und ihre Aufmerksamkeit anderweitig gebunden ist: der Obsthändler Herr Schultz bemüht sich erfolgreich um sie. Doch bei ihrer Verlobungsfeier treten ungeahnte Probleme auf, die erkennen lassen, dass die unbeschwerten Zeiten in Berlin trügerisch sind …
Joe Masteroff schrieb auf Grundlage des Stückes „Ich bin eine Kamera“ von John van Druten und Erzählungen von Christopher Isherwood das Musical „Cabaret“, das mit der Musik von John Kander und den Gesangstexten von Fred
Ebb 1966 seine erfolgreiche Uraufführung feierte. Spätestens seit der Verfilmung aus dem Jahr 1972 in der Regie von Bob Fosse erlangte „Cabaret“ mit Liza Minelli als Sally Bowles Weltberühmtheit und gewann acht Oscars.

In der Rolle der Sally Bowles wird in Stuttgart Vasiliki Roussi zu sehen sein, die in der Spielzeit 2015/2016 als Piaf das Publikum begeisterte.

8. Dezember 2017 bis 27. Januar 2018
Inszenierung: Ulf Dietrich
Musikalische Leitung: Andrew Hannan
Choreographie: Andrea Heil
Bühnenbild: Dietmar Teßmann
Kostüme: Monika Seidl
Literatur
Agnes - Peter Stamm
24.01.2018 in Stuttgart

Gäste, Lesungen, Gespräche
Moderation: Anja Brockert

Was passiert mit einem literarischen Werk, wenn es zur Pflichtlektüre in der Schule wird? Das erleben nicht viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller bereits zu Lebenszeiten, der Schweizer Autor Peter Stamm hingegen schon. Sein Debütroman "Agnes" in der er eine komplexe Liebesgeschichte im ausgehenden 20. Jahrhundert erzählt, wurde zum Sternchenthema.

Der Ich-Erzähler und seine Freundin Agnes, eine junge Physikerin, erfahren Nähe und Fremdheit miteinander, schwanken zwischen Verantwortung und Freiheit. Als der Ich-Erzähler beginnt, ihre gemeinsame Geschichte aufzuschreiben, muss er erleben, wie die literarische Fantasie die wirkliche Liebe überholt. Am Ende ist Agnes verschwunden und möglicherweise tot.

Das Buch ist im Schuljahr 2017/2018 letztmalig verbindliche Lektüre für das Deutsch-Abitur in Baden-Württemberg. Wie ergeht es den Beteiligten damit, den Lehrenden, den Schülerinnen und Schülern und nicht zuletzt dem Autor selbst? Welches pädagogische Interesse steht dahinter? Wird "Agnes" nun in der Schule beigesetzt im Kanon der "Klassiker" - oder im Gegenteil besonders lebendig unten den Augen junger Leserinnen und Leser?

Sendung zum Nachhören und Nachlesen unter
http://www.swr2.de/sternchenthemen

In Kooperation mit SWR2 Wissen und Hospitalhof Stuttgart
Gefördert von: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Außer Haus! Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart