Montag, 23.07.2018

Ausstellung
"Aufbruch ins romantische Universum - August Wilhelm Schlegel"
23.07.2018 in Jena

"Aufbruch ins romantische Universum -  August Wilhelm Schlegel"



Ausstellung im Romantikerhaus vom 14. Juli - 21.Oktober 2018



August Wilhelm Schlegel ist eine der Hauptfiguren der deutschen und der europäischen Romantik. Er muss in einem Atemzug mit all jenen Künstlern und Intellektuellen genannt werden, die um 1800 als Vermittler zwischen den Kulturen auftraten und die in nahezu allen kulturellen Zentren Europas einen großen Wirkungskreis etablierten. Geboren in Hannover als Sohn des protestantischen Pfarrers und Literaten Johann Adolf Schlegel (1721–1793), studierte Schlegel an der renommierten Göttinger Universität, ging dann für einige Jahre nach Amsterdam und ließ sich anschließend mit seiner Frau Caroline in Jena nieder, wo sich um das Paar sofort eines der wichtigsten und produktivsten Zentren der frühromantischen Bewegung bildete, die auch mit Goethe im intensiven Austausch stand.1801 siedelte Schlegel nach Berlin über, um hier seine berühmt gewordenen öffentlichen „Vorlesungen über schöne Kunst und,Literatur“ zu halten. 1804 brach er mit der französischen Intellektuellen Germaine de Staël (1766–1817) nach Schloss Coppet am Genfer See auf, um sie unter anderem bei ihren Arbeiten über die deutsche Kultur – vorrangig bei ihrem großen, noch heute wirkenden Werk „De l’Allemagne“ (1813) – zu beraten. Es folgte ein rastloses Leben in verschiedenen europäischen Metropolen, wie etwa in Wien, wo Schlegel seine erfolgreichen „Vorlesungen über dramatische Kunst und Literatur“ (1808) hielt, die bis auf den heutigen Tag unser Verständnis von Romantik maßgeblich prägen. In Stockholm trat er sodann in diplomatische Dienste und war für den schwedischen Kronprinzen Bernadotte als Sekretär tätig. An jedem Ort wirkte Schlegel nachhaltig und baute ein umfangreiches Netzwerk auf, bis er sich schließlich 1818, nach dem Tod Madame de Staëls, in Bonn niederließ, wo er an der neu gegründeten Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität als Professor für Literatur- und Kunstgeschichte die Indologie als wissenschaftliche Disziplin in Deutschland begründete. Dort blieb er bis zu seinem Tod. Auch heute noch wird die herausragende Bedeutung August Wilhelm Schlegels für die deutsche und europäische Romantik oft unterschätzt. Zu Unrecht stand er lange im Schatten des jüngeren Bruders Friedrich (1772–1829). Hinzu kam das vernichtende Urteil seines Bonner Schülers Heinrich Heine („Romantische Schule“, 1836), das in der Folge geradezu lustvoll fortgesponnen wurde und bis heute durch die Literatur geistert. Erst durch die forcierte Aufarbeitung der Zeugnisse zu seinem Leben und Werk in jüngster Zeit setzte ein Perspektivwechsel ein: Zu entdecken ist ein ebenso innovativer wie vielseitiger Schriftsteller und Intellektueller, ein romantischer Weltbürger, dessen europaweite Netzwerke im Kontext einer interkulturellen Vermittlungspraxis ihresgleichen suchen. So wirkte Schlegel als bereits von den Zeitgenossen für unübertroffen erklärter Übersetzer aus verschiedenen Sprachen wie dem Spanischen, Italienischen, Portugiesischen und Englischen – zu nennen sind hier an erster Stelle seine bis heute mustergültigen Shakespeare-Übersetzungen. Die Ausstellung lässt August Wilhelm Schlegel als Universalpoeten der Romantik lebendig werden. Dabei werden seine Lebensstationen mit Themen verknüpft, die das Charakteristische der literarisch-wissenschaftlichen Produktivität am jeweiligen Ort hervorheben. Die einzelnen Themen verknüpfen August Wilhelm Schlegels Biographie mit dem literarischen Schaffen. So wird sein interkulturelles Wirken als Romantiker sichtbar, das sich an jeder Wirkungsstätte anders entfaltet und sich neuen Gegenständen und Themen zuwendet. Die Exposition des Frankfurter Goethe-Museums – Freies Deutsches Hochstift anlässlich des 250. Geburtstages August Wilhelm Schlegels, welche zunächst in Frankfurt sowie anschließend im Ernst-Moritz-Arndt-Haus in Bonn und in der Universitätsbibliothek Marburg zu sehen war, macht nun Station im Jenaer Romantikerhaus. Angepasst an die Gegebenheiten des Literaturmuseums ermöglichen verschiedene, auch digitale Medien dem Besucher eine interaktive Begegnung mit dem europäischen Romantiker. Diese Darstellung des Lebens und Wirkens des Universalpoeten wird durch Exponate der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena ergänzt, welche die Vielseitigkeit von Schlegels Begabungen als Schriftsteller, Kritiker, Übersetzer oder Begründer der Indologie belegen. Dr. Claudia Bamberg, wissenschaftliche Mitarbeiterin am DFG-Projekt „Digitalisierung und elektronische Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels“ an der Philipps- Universität Marburg sowie Dr. Cornelia Ilbrig, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Romantik- Forschung des Freien Deutschen Hochstifts, kuratieren die Ausstellung.




Dienstag bis Sonntag
10.00 bis 17.00
montags geschlossen
Ausstellung
Mit der Kutsche durch Europa
23.07.2018 in Halle

August Hermann Niemeyer (1754–1828) war der erste Direktor der Franckeschen Stiftungen, der zahlreiche ausgedehnte Reisen unternahm. In einer Kabinettausstellung in der Historischen Bibliothek werden im Themenjahr »Bewegte Zeiten« der Franckeschen Stiftungen seine Reisen durch Deutschland und weite Teile Europas vorgestellt. Grundlage sind die umfassenden Reisetagebücher, von denen Niemeyer selbst drei zwischen 1820 und 1826 in fünf Bänden unter dem Titel »Beobachtungen auf Reisen in und außer Deutschland« veröffentlicht hat.



Franken, Bayern, Württemberg, Schlesien, Westfalen und Holland, Böhmen, Österreich, Italien, Dänemark, Frankreich sowie England sind auf der Reiseliste Niemeyers zwischen 1794 und 1819 zu finden. Zu Fuß erwanderte er sich die Großstädte Europas wie Berlin, Hamburg, Kopenhagen, Amsterdam, Paris, Prag, Wien und Venedig. Als Pädagoge und Theologe interessierte er sich besonders für die Bildungs- und Sozialeinrichtungen. Er besuchte Armen- und Elementarschulen, Lyzeen, Gymnasien und Universitäten, Waisen- und Findelhäuser, Blinden- und Taubstummeninstitute und widmete sich dem Gedankenaustausch mit auswärtigen Gelehrten, Erziehern und Erzieherinnen. Als Mitgestalter der bewegten Epoche um 1800 nutzte er das auf den Reisen erworbene Wissen für seine sozialpädagogische und wissenschaftliche Arbeit in Halle, für die Franckeschen Stiftungen, die Universität und die kommunale Armenpflege.



Die Kabinettausstellung stellt auch eine besondere Reise Niemeyers vor, die eng mit der Geschichte der Stadt Halle verbunden ist und Niemeyers Geschick als Diplomat zeigt. Im Oktober 1806 war Halle unter französische Besatzung geraten und Napoleon ließ die Universität schließen. Im Mai des folgenden Jahres wurde August Hermann Niemeyer nach Frankreich deportiert. Während des siebenwöchigen Aufenthaltes in der Nähe von Metz und danach in Paris nutzte er die Möglichkeit, Besuche abzustatten, Baudenkmäler anzuschauen und regelmäßig mit den Angehörigen in Halle zu korrespondieren. Er knüpfte Kontakte zu einflussreichen Personen des künftigen Königreichs Westphalen und erreichte eine persönliche Anhörung bei dem designierten Finanzminister Jacques Claude Beugnot, dem er überzeugend die Situation Halles, der Universität und der Franckeschen Stiftungen darlegte. Damit schuf er die Grundlage für die Wiedereröffnung der Universität und die finanzielle Konsolidierung der Stiftungen. Am 9. Oktober 1807 kehrte Niemeyer nach Halle zurück.



 




Infozentrum im Francke-Wohnhaus
Kartenverkauf | Führungen | Information
Di–So 10-17 Uhr
Ausstellung
Durch die Welt im Auftrag des Herrn
23.07.2018 in Halle

Die kulturhistorische Jahresausstellung 2018 in den Franckeschen Stiftungen überrascht mit dem Ansatz, dass die Grundlagen einer modernen Reisekultur Anfang des 18. Jahrhunderts unter anderem durch den Halleschen Pietismus gelegt wurden. Zwei Jahre lang haben die Kuratoren Claus Veltmann und Anne Schröder-Kahnt die Sammlungen der Franckeschen Stiftungen mit der einzigen, am originalen Standort vollständig erhaltenen barocken Wunderkammer, der Bibliothek, die in ihrer Entstehungszeit zu den bedeutendsten ihrer Zeit zählte, und dem einzigartigen Archiv intensiv zum Thema Reise befragt. Dieses liegt in der Geschichte des Halleschen Pietismus fest verankert. Unter der Leitung von August Hermann Francke (1663–1727) begann man an der Wende zum 18. Jahrhundert systematisch Beziehungen bis in den sibirischen Teil Russlands, nach Südindien und Nordamerika aufzubauen, die sich stabil über Jahrhunderte weiterentwickelten. In sieben Räumen der Ausstellungsetage des Historischen Waisenhauses zeigen die Kuratoren, wie die Fülle an gesammelten Informationen und ein engmaschiges Netz von Kontakten gezielt und sehr erfolgreich für die Vorbereitung und Durchführung von Erkundungs-, Pilger- und Missionsreisen eingesetzt wurden. Die Schau wagt dabei den Versuch, dieses System auch für erzwungene Reisen, etwa die Flucht der protestantischen böhmi-schen Exulanten zu überprüfen, die von Mitarbeitern Franckes betreut wurden.



Vorbereitung

Die umfassende Vorbereitung auf eine Reise der halleschen Gesandten durch Deutschland, Europa oder nach Übersee begann in den 1698 angelegten Sammlungen der Schulstadt August Hermann Franckes in Halle, dem Halleschen Waisenhaus. Wörterbücher für gängige und seltene Sprachen, Dialoge für den Alltag in einer fremden Kultur und vor allem vielfältige authentische Berichte mit ausführlichen Natur- und Ortsbeschreibungen, Reflexionen über Religion und Mission, aber auch mit der Beschreibung interessanter Begegnungen und scheinbar nebensächlicher Alltagserlebnisse zeichneten bei gründlichem Studium ein reales Bild der Reise und des Zielorts:

Diese Form der Reisedokumentation kennzeichnet insbesondere die Reisen der Pietisten zu Beginn des 18. Jahrhunderts,

beurteilt Dr. Heike Liebau die Faktenlage in Bezug auf die Dänisch-Hallesche Mission im südindischen Tranquebar im wissenschaftlichen Katalog zur Ausstellung.





Reisebegleiter

Wie die aufmerksam verfassten Berichte einem Reiseführer gleichkamen, wird in der Ausstellung am Beispiel Georg Heinrich Neubauers (1666–1725) deutlich, der als Bauleiter der Schulstadt in Halle gilt. Auf einer Hollandreise 1697/98 sammelte er in einem der fortschrittlichsten Staaten der Zeit Informationen zur Armenfürsorge und lieferte in seinem Bericht umfänglichste Informationen über das Reisen ansich. Die Schiffsreise sei sehr bequem, doch »solle man in Holland mit dem Glockenschlag pünktlich bei der Schuyte sein, da diese dann nach ungefähr einer Minute des Läutens sofort ablegt. Zwar könne man hinterherrennen, das Boot einholen und noch aufgenommen werden, allein sei man dann so verschwitzt, dass man sich auf dem Boot eine Erkältung zuziehe, die der Gesundheit einen »Stoß« gebe, »den sie ihr Lebtage nicht wieder verwinden« werde, zitiert Prof. Dr. Holger Zaunstöck in seinem Katalogbeitrag den Reisebericht Neubauers. Dieser war bereits 1706 in der »Nützlichen und nöthigen Handleitung Zu Wohlanständigen Sitten« veröffentlicht worden, die sich an die Zöglinge des Königlichen Pädagogiums in Halle richtete. Damit war die Hollandreise Neubauers zu einem Reise-Lehrstück für die Söhne des preußischen Bürgertums und Adels geworden.



Reiseroute und Andenken

Amsterdam zählte wie London, Wien, Venedig oder Archangelsk zu den Relaisstationen des Halleschen Pietismus. An diesen Knotenpunkten des sorgsam aufgebauten und intensiv gepflegten Transport- und Kommunikationsnetzwerkes wurden die halleschen Reisenden, Emissäre oder Missionare versorgt, hier wurden Informationen ausgetauscht und, ausgestattet mit dem Notwendigsten, machten sie sich wieder auf den Weg. Die Reise von Stephan Schultz (1714–1776) in den Orient deckt in der Ausstellung die Entstehungsgeschichte und Langlebigkeit einer Reiseroute auf. 1699 war der einflussreiche Diplomat am Englischen Hof, Heinrich Wilhelm Ludolf (1655–1712), als Pilger in Jerusalem angekommen. Seine Route nahm 40 Jahre später der hallesche Emissär Stephan Schultz (1714–1776). Mitbringsel wie der Reisepass des Sultans Mahmud I. (1696–1754) und eine erst kürzlich identifizierte Zeichnung der Grabeskirche in der Kunst- und Naturalienkammer belegen das Erreichen seiner Reiseziele.



Versicherung

Der Schutz der Gesundheit komplettiert die Vorbereitung und Durchführung der Reisen Hallescher Pietisten. Das Hallesche Waisenhaus bot hier ein Set zur Selbstmedikation mit Handbuch und kleiner Medizinauswahl feil. Diese Grundausstattung, die körperliches Wohlbefinden und seelische Gesundheit miteinander verband, verkaufte sich äußerst erfolgreich gerade in den weit entfernten Gebieten Russlands und Nordamerikas. Erstmals werden die weltweiten Beziehungen der Medikamentenexpedition des Halleschen Waisenhaues in einer Ausstellung vorgestellt.



Ungewollt unterwegs

Neben Pilger-, Missions-, Forschungs- und Abenteuerreise hat der Hallesche Pietismus auch das erzwungene Reisen im Blick. Heinrich Milde (1676–1739), der Slawist am Halleschen Waisenhaus, betreute im Auftrag Franckes böhmische Aus-wanderer. Sie zählten zu den letzten Lutheranern, die aufgrund der katholischen Repressionen nur mit dem Nötigsten ausgestattet ihre Heimat verlassen mussten. 1720 hielt sich Milde in der kleinen Exulantenkolonie Ves Panĕ / Wespen auf, einem heutigen Stadtteil von Barby an der Elbe. Er unterrichtete den dortigen Pfarrer in der tschechischen Sprache, so dass dieser den böhmischen Exulanten aus der Bibel vorlesen und sich mit ihnen verständigen konnte. In tiefer Dankbarkeit übergab ihm ein Mitglied dieser Gemeinde einen prachtvoll ausgestatteten tschechischen Bibeldruck von 1537 (Prag). Das Buch war über Generationen in Familienbesitz. In der Ausstellung offenbart es die bewegten Geschichten der versammelten Objekte und knüpft das Band in die Gegenwart.



BEGLEITPROGRAMM

»Bewegte Zeiten«. Zur Geschichte und Zukunft von Reise und Migration

Veranstaltungsreihe in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Institut für Pädagogik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg



Reisende suchen heute nach immer authentischeren Erfahrungen während der Massentourismus den Menschen vor Ort die Lebensgrundlage nimmt. Was suchen wir in der Fremde und wo finden Begegnungen mit dem Fremden überhaupt noch statt? Wie definieren wir unsere soziale Identität? An vier Abenden fragen die Franckeschen Stiftungen bei dem Migrationsexperten Prof. Dr. Jochen Oltmer (Osnabrück), dem Youtuber Firas Alshater (Berlin), dem Publizisten Alfred Grosser in Diskussionsrunden mit dem Publikum nach.



Unterwegs mit den Halleschen Pietisten im 18. Jahrhundert

Ausstellungsabende im Historischen Waisenhaus

Jeden ersten Donnerstag im Monat stellt die Kuratorenführung eine Reise der Halleschen Pietisten im 18. Jahrhundert vor: Die akribischen Vorbereitungen und perfekte Durchführung der pietistischen Bildungs- und Missionsreisen, einer Pilgerreise ins Heilige Land, die weltweiten Handelswege der Medikamentenexpedition und die Vertreibungen der böhmischen Exulanten stehen im Mittelpunkt einer Kurzführung mit anschließendem Vortrag.




Di-So 10-17 Uhr
Ausstellung
Die Kulissenbibliothek der Franckeschen Stiftungen
23.07.2018 in Halle

Die Franckeschen Stiftungen sind seit über 300 Jahren ein Ort der Bücher. Bildung und damit Zugang zum Wissen der Zeit war das Grundanliegen von August Hermann Francke (1663-1727), dem Gründer, der heute nach ihm benannten Franckeschen Stiftungen zu Halle. Mit der Grundsteinlegung des Halleschen Waisenhauses 1698 war auch der Aufbau eines Verlags mit Buchhandlung und Druckerei verbunden. Schnell erwarb sich das Waisenhaus einen exzellenten Ruf, erhielt zahlreiche Schenkungen berühmter Zeitgenossen und wuchs nicht zuletzt durch gezielte Anschaffungen für den Unterricht in den Schulen und den stetig wachsenden Bestand der eigenen Druckerzeugnisse. Schon bald musste daher die Sammlung in einem eigenen Gebäude untergebracht werden.
In den Jahren 1726-28 entstand am oberen Lindenhof der Franckeschen Stiftungen Halle das älteste profane Bibliotheksgebäude der Deutschlands, die historische Kulissenbibliothek. Seit jener Zeit lädt sie Bücherfreunde und Forscher aus Halle und der ganzen Welt in diesen besonderen Wissenskosmos ein. Bereits Albrecht von Haller, Johann Joachim Winkelmann und Johann Wolfgang von Goethe bewunderten die bibliophilen Kostbarkeiten. Wie Theaterkulissen ragen die marmorierten Bücherregale in den Saal hinein, überspannt von barocken Korbbögen. Hinter unscheinbaren Buchrücken verbergen sich die erstaunlichsten Schätze. Das größte und schwerste Buch der Sammlung ist die Bibel des Lucas Osiander (1534-1604). Fast einen halben Meter hoch und 9,5 kg schwer begleitete sie den Prinzen Anton Günther von Anhalt-Zerbst (1653-1714) überall hin und spendete ihm Halt und Trost. Aber auch die erste deutsche Bibel, die in Amerika gedruckt wurde, und viele andere sehr seltene, teils über 500 Jahre alte Bücher werden hier aufbewahrt.
Der historische Bibliothekssaal hat die Jahrhunderte unbeschadet überstanden und bietet sich den Besuchern seit seiner umfassenden Restaurierung 1996-98 fast unverändert dar. Um der Öffentlichkeit die Bücherschätze der Bibliothek zeigen zu können, finden seit dem Jahr 2000 wechselnde Kabinettausstellungen im ehemaligen Lesezimmer neben dem historischen Bibliotheksraum statt.


10-17 Uhr