Donnerstag, 18.10.2018

Freitag, 19.10.2018

Theater ab 14,75 €
Bericht für eine Akademie
19.10.2018 in Dresden

Erzählung von Franz Kafka

Der Hintergrund der Geschichte ist kafkaesk genug. Der Menschenaffe Rotpeter berichtet vor einem akademischen Publikum von seiner Vermenschlichung.

An sein äffisches Vorleben kann er sich kaum noch erinnern. Sein neues Leben beginnt nach der Gefangennahme in Afrika während der Schiffsüberfahrt nach Europa. Auf dem Schiff wird er in einen engen Käfig gepfercht und dient den Matrosen als Objekt geschmackloser und derber Späße.

Die gedemütigte Kreatur versucht, das Beste aus einer misslichen Lage zu machen. Die Freiheit ist nicht wieder zu erlangen, so sucht er nach einem Ausweg, der ihn überleben lässt: Der Affe imitiert die menschlichen Laute, lernt sprechen und erstaunt damit die Menschen in seiner Umgebung über alle Maßen. Sie lehren ihn Kunststückchen und das Alkoholtrinken. Im weiter wird er zum Menschen trainiert und zur Vorführ-Attraktion ausgebildet. So kann er schließlich – in einen Herrenanzug gewandet – Zeugnis ablegen von seinem Werdegang.

In ihrer Inszenierung legen Guido Schmitt und Hansdieter Heiter Wert darauf, die Zwiespälte darzustellen, die den Affenmenschen plagen. Rotpeter kann das Tier, das er war, nicht verbergen. Trotz Anzug, trotz Sprache und menschlicher Gewohnheiten bleibt er Affe in Geste und Körpersprache – halb tragisch, halb komisch, ein Zwitterwesen im Dilemma zwischen verlorener Identität und Anpassung. So sehr er sich auch anstrengt, so stolz er ist auf seinen Ausweg der Vermenschlichung: Die Sehnsucht des bestaunten Exoten nach Gemeinschaft und echter Anerkennung bleibt unerfüllt.

Ausweg und Freiheit – das sind die beiden zentralen Begriffe der Erzählung – der konkrete Ausweg als Gegenpart zu einer nicht greifbaren Freiheit. So ist die Geschichte eine Parabel auf die soziale Enge menschlicher Gesellschaft. Hier werden Grundfragen aufgeworfen, wie die Wahrnehmung von Identität und das Scheitern der Integration durch Anpassung.

Samstag, 20.10.2018

Theater & Comedy - Sonstige ab 20,80 €
Eine Nacht in Paris
20.10.2018 in Dresden

Eine Nacht in Paris

Ein komödiantischer Theaterabend mit einer kabarettistischen Komödie und typisch französischer Musik
Am späten Abend begegnen sie ihm, dem Wanderpuppenspieler Jean, der aber für den Gendarmen doch nur ein Vagabund ist. Doch er versucht mit seinen besten Geschichten im zu entwischen und verzaubert mit dem Witz seiner Figuren und der Musik auf dem Akkordeon die ganze Stadt und auch Sie.
Der Puppenspieler Jean ermöglicht uns die Begegnung mit dem französischen Kasper, dem Guignol. Er erzählt mit seinen Puppen, was sie nicht wissen und erzählt ihnen nicht, was sie schon wissen – nur wahre Geschichten, keine Erfindungen, nur die lautere Wahrheit und nichts sonst! Herbei! Treten sie näher! In dieser Komödie geht es um das Leben, die Liebe, die Fehltritte und die Komik beim Umgang mit der Macht. Ein Bürgermeister, ein Richter und die Polizei werden von Ihren eigenen Schuhen getroffen und ziehen ins Gefängnis ein? UNGLAUBLICH ! – Es ist ein Stück über Begehrlichkeiten, Gerechtigkeit und Sieg. In der Regie des Komikers und Pantomimen Ralf Herzog entstand eine rasante und mit viel Witz und Charme französische Komödie, die die üblichen Grenzen des Genres sprengen, getragen mit dem Flair und dem Sound von live gespielter Akkordeonmusik und Chansons.

Hintergrund der französischen Figur Guignol:
Guignol ist der komische Held des französischen Puppenspiels. Er entspricht dem deutschen Kasper. Sein Name ging auf die Vorführungsorte der entsprechenden Schauspiele über (Le Guignol). Die Handpuppe Guignol wurde zwischen 1810 und 1812 vom beschäftigungslosen Arbeiter Laurent Mourguet in Lyon geschaffen und soll seine eigenen Gesichtszüge tragen. Lyon wurde durch ihn zur französischen Hauptstadt des Puppentheaters. Schnell fand das „Phänomen“ Guignol Aufnahme in Paris. Ab 1836 feierte er in dem ältesten noch bestehenden Pariser Guignol-Theater in den Gärten der Champs-Elysées seine ersten großen Erfolge. Weitere Puppentheater entstanden unter anderem im Parc des Buttes-Chaumont (Guignol Anatole seit 1892) und Parc Montsouris, im Jardin du Luxembourg, auf dem Champ-de-Mars beim Eiffelturm sowie im „Jardin d’Acclimatation“ (Bois de Boulogne) und im „Parc Floral“ (Bois de Vincennes). Mit jährlich bis zu 150.000 Besuchern (Guignol du Jardin d’Acclimatation) zählen sie zu den beliebtesten Ausflugszielen der Pariser Kinder und ihrer Familien.