Freitag, 19.01.2018

Theater
COLONIA DIGITAL: The Empire Feeds Back - Premiere
19.01.2018 in Berlin

Das Internet ist kaputt. Es hat sich als Medium des Verschwindens par excellence erwiesen. Das nächste, was verschwinden wird, ist der Begriff ´Internet´. andcompany&Co. ist vor den manischen Maschinen in die Wüste geflohen, in die Ruine eines stillgelegten Datencenters. Versteckt zwischen toten Daten versucht das Berliner Kollektiv, eine Verbindung herzustellen zu einer verschwundenen Vergangenheit. In Erinnerung an die vergessenen sozialistischen Ursprünge des Internets haben sie den Control-Room nachgebaut, den Allende kurz vor Pinochets Putsch einrichten ließ: jene “Kommunistenmaschine”, welche die gesamte Wirtschaft in Echtzeit steuern sollte. In den Echokammern des stillgelegten Internets geistern Stimmen herum aus einer Zeit, bevor das Netz von einer Armee von Trollen erobert und von Social Bots beherrscht wurde: “At last, el pueblo!”

The internet is broken. It has proved to be the medium of disappearance par excellence. The next thing to disappear is the term ‘internet.’ andcompany&Co. has fled away from the manic machines and into the desert, into the ruins of an abandoned data centre. Hidden among dead data the Berlin collective attempts to forge a link to a past that has disappeared. In remembrance of the forgotten socialist origins of Big Data, they have constructed the control room that Salvador Allende had built just before Pinochet’s coup: that “communist machine” that was meant to guide the state and a national economy in real time. Voices still haunt the echo chambers of the disused internet from a time before the net was conquered by an army of trolls and was dominated by social bots: “At last, el pueblo!”

Ausverkauft, ggf. Restkarten an der Abendkasse
Theater
HAROUN UND DAS MEER DER GESCHICHTEN - Von Salman Rushdie (nicht barrierefreier Zugang)
19.01.2018 in Berlin

Von Salman Rushdie

Eine phantastische Live-Graphic-Novel

In einer traurigen Stadt, so unendlich traurig, dass sie sogar ihren eigenen Namen vergessen hat, lebt Haroun mit ihrem Vater, dem großen Geschichtenerzähler Rashid Khalifa. Als Harouns Mutter die Familie verlässt, verliert der einst so berühmte Schah von Blah seine Erzählgabe und wird ebenso traurig wie die namenlose Stadt. Um ihrem Vater zu helfen, begibt sich Haroun auf eine Reise an den Ort, an dem alle Erzählungen ihren Ursprung nehmen - und findet sich plötzlich inmitten einer fantastischen Geschichte wieder. Sie trifft auf Wassergeister und lebendige Buchseiten, Prinzessinnen und Schattenkrieger und stellt fest, dass nicht nur die Worte ihres Vaters, sondern sogar die Sprache selbst in allerhöchster Gefahr schweben.
Das weite Meer der abertausend Geschichten und ihre Familie kann Haroun nur retten, indem sie in ihre dunkelsten Albträume eintaucht, ihrer Phantasie vertraut und selbst zur Erzählerin wird.

Salman Rushdie verfasste Haroun und das Meer der Geschichten im Untergrund, nachdem der iranische Staatschef Khomeini 1989 eine Fatwa über ihn verhängt hatte. Der Roman ist eine phantastische Parabel, ein Plädoyer für die Freiheit der Rede und die Macht der Worte. Rushdie widmete das Buch seinem Sohn, den er auf der Flucht zurücklassen musste.

Nach Ultima Ratio und Human Traffic bringt der Heimathafen Neukölln mit Haroun abermals eine Live-Graphic-Novel auf die Bühne, deren Bilder jeden Abend neu vor den Augen der Zuschauer entstehen. In einem multidimensionalem Raum fügen sich Musik, Zeichnung und Schauspiel zu einer dichten Inszenierung zusammen, die Rushdies Roman als phantastische Coming of Age-Geschichte erzählt. Wie ihre Vorlage legt die Bühnenadaption dabei viel Liebe ins Detail und spielt mit literarischen, musikalischen und filmischen Zitaten von gestern und heute.

Mit dem Format der Live-Graphic-Novel hat Regisseurin Nicole Oder eine Bühnensprache geschaffen, die mit reduzierten Mitteln hochkomplexe Geschichten entwerfen kann- und dabei auch immer an die Phantasie der Zuschauer appelliert. An drei Overhead-Projektoren entwirft die Zeichnerin Bente Theuvsen ein Live-Bühnenbild, das die Schauspieler durch die verschiedenen Ebenen der Geschichte transportiert und die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen lässt. Der Kampf um die Freiheit des Wortes wird so zu einem Duell zwischen Licht und Schatten, Rede und Schweigen, Liebe und Hass.

Live-Zeichnung: Bente Theuvsen
Live-Musik: Oskar Erle
Live-Schauspiel: Tanya Erartsin, Alexander Ebeert

Bühnenadaption: Tim Supple and David Tushingham
Übersetzung: Nicole Oder, Lena Reinhold

Regie: Nicole Oder
Kostüm: Isabelle Lange
Dramaturgie: Lena Reinhold
Lichtdesign: Tobias Pehla
Produktionsleitung: Katarzyna Noga

Einlass 19:20 Uhr

Restkarten evtl. an der Abendkasse.