13: Klassisch-romantische Phantasmagorie
Faust ist im zweiten Teil der Tragödie während einer Zeitreise durch die klassische Antike auf verzweifelter Suche nach der schönen Helena.
Endlich begegnet er ihr: Hinter ihr liegt das Gemetzel des trojanischen Kriegs, den ihre Entführung ausgelöst hat. Ihr siegreicher Gatte Menelas hat sie vorgeschickt, damit sie ein Opfer vorbereite. Sie fürchtet, dass er sich an ihr rächen will. Vor dem verwaisten Palast zu Sparta sitzt die alte, hässliche Schaffnerin, hinter der sich Mephisto mit seiner abscheulichen Phorkyas-Maske verbirgt. Er hält Helena ihre vielen Liebhaber vor und deutet an, dass ihr die schicksalhafte Entführung durch Paris nicht gerade unwillkommen war. Dann warnt er, der eifersüchtige Menelas wolle Helena köpfen und als Opfer darbringen. All das überzeugt Helena, mit Mephisto auf eine mittelalterliche Burg nicht weit von Sparta zu flüchten.
Dort trifft sie Faust und ist entzückt von dessen schwärmender Rede. Die beiden liebkosen einander in Wort und Tat, als Phorkyas bzw. Mephisto eintritt und die Ankunft des wütenden Menelas ankündigt. Faust ruft seine Heerführer zum Kampf. Gemeinsam besiegen sie nicht nur den gehörnten Gatten, sondern erobern auch die gesamte Peloponnes-Halbinsel. Faust lässt sich daraufhin mit Helena in Arkadien nieder. Euphorion wird geboren, ein entzückender, aber auch wagemutiger Knabe. Seine Luftsprünge bereiten den Eltern Sorgen; er springt immer höher und setzt bald zu einem großen Flug an, um für die Freiheit der Griechen zu kämpfen. Doch nach wenigen Metern stürzt er ab, seinen Eltern zu Füßen. Helena nimmt Abschied von ihrem Geliebten und folgt ihrem Sohn in die Unterwelt. Ihr Kleid und ihr Schleier verwandeln sich in eine Wolke, auf der Faust davonschwebt.