Lesung und Gespräch

»Ich habe gesehen. Das Ich ist ein Zeuge. Es spricht, und doch hat es keine Sprache.« So beschreibt Ronya Othmann den Vorgang des Erzählens, mit dem sie eine Form zu finden sucht für den Genozid an der êzîdischen Bevölkerung, den vierundsiebzigsten, verübt 2014 in Shingal von Kämpfern des IS. Zuletzt war sie im Dezember 2023 zu Gast in Stuttgart, zusammen mit zwei jungen êzîdischen Autor:innen, die zu den 1.000 Frauen und Kindern gehörten, die 2015 über ein Sonderkontingent nach Baden-Württemberg kommen konnten. »Vierundsiebzig«, Othmanns neuer Roman, ist eine Reise zu den Ursprüngen, zu den Tatorten: in die Camps und an die Frontlinien, in die Wohnzimmer der Verwandten und weiter in ein êzîdisches Dorf in der Türkei, in dem heute niemand mehr lebt. Es geht ihr darum, hinzusehen, zuzuhören, Zeugnis abzulegen, Bilder und Berichte mit der eigenen Geschichte zu verbinden, mit einem Leben als Journalistin und Autorin in Deutschland. Entstanden ist ein Text von großer Dichte, Klarheit und Härte. Ronya Othmann, als Tochter einer deutschen Mutter und eines kurdisch-êzîdischen Vaters 1993 in München geboren, schreibt Lyrik, Prosa und Essays und arbeitet als Journalistin. Für ihr Schreiben wurde sie viele Male ausgezeichnet. Für »Die Sommer«, ihren ersten Roman, bekam sie u.a. den Mara-Cassens-Preis zugesprochen, und auch für den Lyrikband »die verbrechen« (2021) wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

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Geschichte: Ronya Othmann liest aus " Vierundsiebzig", Walter Roth "Chronik einer Reise"; Sultana Barakzai "Unsere Geschichten"