Sunday, 9/24/2023
at 5:00 PM




Kooperation mit dem Kultursommer Mittelhessen

Fotos:
I Porporini: Tim Kaszik
Philipp Mathmann: Sandra Konold
Franziska Gottwald: Karen Maigut


*** Interpreten ***
Philipp Mathmann – Sopran
Franziska Gottwald – Alt

Barockensemble I PORPORINI
Elisabeth Grümmer – Oboe
Kerstin Linder-Dewan und Semion Gurevich – Violine
Waltraut Elvers – Viola
Claire Gautrot – Violoncello
Gerd Amelung – Orgel und musikalische Leitung

*** Programm ***
Giovanni Battista Pergolesi (1710–1736): Stabat Mater
Johann Sebastian Bach (1675–1750): Kantaten

Johann Sebastian Bach hatte ein ausgeprägtes Interesse am Musikleben außerhalb seines direkten Wirkungskreises. Ein frühes Beispiel dafür ist die Anekdote, nach der der 13jährige nachts eine vom älteren Bruder angefertigte Sammlung von Clavierwerken bekannter Komponisten abschreibt; seine Umschriften Vivaldischer Konzerte für die Orgel in Weimar legen ein anderes Zeugnis davon ab. Nicht verwunderlich also, dass er ähnlich verfährt mit Giovanni Battista Pergolesi, der schon zu Lebzeiten als grundstürzender Neuerer der Musik wahrgenommen wurde: Er textiert dessen „Stabat Mater“ kurzerhand auf Deutsch um, ergänzt einen Chor und integriert es so in die gottesdienstliche Musikpraxis in Leipzig.
I Porporini nehmen diese Aneignung Bachs zum Anlass für ihr neues Programm: der Originalfassung von Pergolesis „Stabat Mater“ werden zwei seiner Solokantaten für Sopran und Alt zur Seite gestellt. „Mein Herze schwimmt im Blut“, ein Weimarer Werk aus 1714, ist mit seinen konzertierenden Arien und der kühnen Harmonik hörbar von Bachs Auseinandersetzung mit dem italienischen Repertoire inspiriert. Und „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust“, 1726 entstanden, erweitert den Reigen der konzertierenden Instrumente um die Orgel.
Mit Philipp Mathmann und der Marburgerin Franziska Gottwald zeichnen zwei international tätige Musiker*innen für die Gesangspartien verantwortlich.

*** Philipp Mathmann ***
Philipp Mathmann zählt zu den „rising stars“ der Alte-Musik-Szene. Neben seiner Gesangsausbildung hat er ein Medizinstudium an der Universität Münster sowie die HNO-Basisweiterbildung abgeschlossen und weite Teile seiner Zusatzausbildung zum Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie mit phonochirurgischem Schwerpunkt an der Charité Universitätsmedizin in Berlin erfüllt. Seit 2014 ist er als federführender Kliniker an einer deutsch-englischen Forschungskooperation im Bereich Musikermedizin und Stimmgesundheit mit dem Royal College of Music in London beteiligt.
Der junge Sänger war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und gewann mehrere internationale Stipendien und Preise während seines Studiums. Er lebt in Berlin und gastiert regelmäßig im Rahmen internationaler Musikfestivals wie Winter in Schwetzingen, Musikfest Bremen, Festival Oude Muziek Utrecht, MA Festival Brügge, der Styriarte Graz und dem Festival della Valle d’Itria. Er sang Konzerte und Opern in der Kölner Philharmonie, Tonhalle Düsseldorf, Oper Frankfurt, Tivoli Vredenburg Utrecht, am Theater an der Wien, in der Tchaikovsky Concert Hall Moskau und anderen. Hierbei wurde er von Orchestern wie Musica Æterna, Les talens lyriques, Akademie für Alte Musik Berlin und Freiburger Barockorchester begleitet.
Seit seiner ersten Oper auf Schloss Sanssouci in Potsdam hat Philipp Mathmann in zahlreichen Opern u. a. am Aaltotheater Essen, am Staatstheater Mainz, bei den Händelfestspielen in Göttingen und Halle und den Ludwigsburger Schlossfestspielen gesungen. Für sein Moskau-Debüt als „La Bellezza“ in Händels Il Trionfo del Tempo e del Disinganno am Stanislavsky Theater wurde er als „bester Operndarsteller“ für den Golden Mask Award nominiert. Er war der erste Countertenor, der jemals diese Partie übernommen hat. Philipp Mathmann arbeitet u. a. mit ARTE, dem Hessischen Rundfunk, WDR, NPO Radio 4, Moscow 24, Deutschlandfunk und gemeinsam mit Dirigent*innen wie George Petrou, Christophe Rousset, Gianluca Capuano, Philipp Chizhevskiy, Martyna Pastuszka, Dorothee Oberlinger oder Diego Fasolis. In der Spielzeit 2021/22 sang er an der Semperoper Dresden in einer Uraufführung von Thorsten Rasch und in Vivaldis Orlando Furioso bei La Seine Musicale de Paris.
Seine erste CD-Beteiligung war La deposizione dalla croce von F. X. Richter mit dem Czech Ensemble Baroque. Tormenti d’Amore mit Kantaten von Johann Adolf Hasse (Gerd Amelung, Capella Jenensis, Querstand 2020) ist Philipp Mathmannss erstes Soloalbum.

*** Franziska Gottwald ***
Die deutsche Mezzosopranistin Franziska Gottwald – geboren in Marburg und aufgewachsen in Amöneburg – erfreut sich einer erfolgreichen Karriere in den großen Bereichen der klassischen Musik (Oper, Oratorium, Konzert, Kammermusik, Lied, in Radio und CD-Produktionen) und als Barockspezialistin. Im Anschluss an ihr Gesangstudium war sie für vier Spielzeiten festes Ensemblemitglied am Deutschen Nationaltheater in Weimar. Gastverträge mit Mozartpartien wie Sesto oder Cherubino, Händels Ariodante, Arsamenes in Xerxes und Ruggiero in Alcina, Glucks Orfeo, Humperdincks Hänsel oder Strauss’ Prinz Orlofsky und viele andere führen die Mezzosopranistin an die Opernhäuser in Seoul, Toulouse, Tokio, Venedig, Ferrara, Bilbao, Basel, Köln, Stuttgart, Hannover, Wiesbaden, an die Komische Oper Berlin und die Semperoper in Dresden. Parallel begann mit dem Gewinn des Leipziger Bachwettbewerbs ihre sehr erfolgreiche Konzertkarriere. So arbeitet sie mit Orchestern wie dem Gewandhaus Orchester Leipzig, dem Venice Baroque Orchestra, dem Amsterdam Baroque Orchestra, Musica Antiqua Köln, Concerto Köln, den Bamberger Symphonikern, der Akademie für Alte Musik Berlin sowie dem NDR- und MDR-Sinfonieorchester und vielen anderen.
Ihr Repertoire als Konzertsängerin umfasst dabei Werke von der Renaissance bis zur Moderne. Auf Konzertreisen stehen Orchesterwerke wie Dvořáks Biblische Lieder, Mahlers 4. Sinfonie und Das Lied von der Erde, Verdis Requiem oder Berlioz’ Les nuits d’été ebenso auf dem Programm wie z. B. Mozart- oder Händel-Solo-Arienabende. So steht sie auf Konzertbühnen in London, Madrid, Montreal, Amsterdam, Yokohama, Rom, Mailand, Florenz, Athen, Tel Aviv, Jerusalem, Stavanger, Zürich, Köln, München, Hamburg, Frankfurt, Leipzig, Dresden, Südafrika, Südostasien und vielen anderen.
Ebenso kann Franziska Gottwald durch die langjährige Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Reinhard Goebel, Ton Koopman, Andrea Marcon, Fabio Biondi, Konrad Junghänel, Christoph Spering und vielen anderen auf einen reichen Erfahrungsschatz im Bereich der historischen Aufführungspraxis verweisen.
Franziska Gottwald ist Solistin in zahlreichen Radio-, DVD- und CD-Produktionen. Genannt seien L’Oracolo in Messenia von Vivaldi unter Fabio Biondi und L’Olimpiade: The Opera unter Markellos Chryssicos sowie die Aufnahme des Samson von Händel unter Nicholas McGegan. Sie erscheint ebenso als Solistin auf der Bach-Gesamtaufnahme von Ton Koopman: „The Complete Cantatas with the Amsterdam Baroque Orchestra“.
DVD-Produktionen beinhalten Vivaldis Motezuma mit Alan Curtis und Il Complesso Barocco und Galuppis L’Olimpiade. Andrea Marcon dirigiert hier das Venice Baroque Orchestra.

*** I Porporini ***
2018 von Philipp Mathmann und Gerd Amelung gegründet, widmet sich I Porporini einer der spannendsten Epochen der Musikgeschichte. Im frühen 18. Jahrhundert wurden viele wichtige Weichen für das Musikleben späterer Zeiten gestellt, von der Oper als öffentliche und bezahlbare Unterhaltung bis zum Starkult um einzelne herausragende Musiker.
Der Name I Porporini bezieht sich auf eben jenen Starkult, um Musiker und insbesondere Sänger, der in der Zeit erstmals auflebte. Der Komponist und Gesangslehrer Nicola Antonio Porpora war eine lebende Institution seiner Zeit und unterrichtete am Conservatorio Sant’Onofrio. Aus seiner Klasse gingen einige der erfolgreichsten und meist gefeierten Sänger seiner Zeit hervor, wie die Kastraten Antonio Uberti (der sich zu Ehren seines Lehrers Porporino nannte), Farinelli (Carlo Broschi) oder Caffarelli (Gaetano Majorano). Das Ensemble will das kulturelle Erbe dieser Zeit aufgreifen und setzt mit seinem Namen hierzu einen Akzent in Anerkennung der Leistungen „der großen Meister von damals“.
So beinhaltet das Repertoire von I Porporini virtuose und lyrische Opernarien von Hasse, Porpora und Händel, packende Instrumentalkonzerte, – kurz: das ganze Spektrum der überaus reichen Musik aus Italien und Deutschland zwischen 1700 und 1750 wird vom Ensemble abgebildet.
Den Countertenor Philipp Mathmann und den erfahrenen Ensembleleiter und Cembalisten Gerd Amelung verbindet eine langjährige musikalische Zusammenarbeit in vielen unterschiedlichen Projekten (u. a. an der Oper Heidelberg, mit der Lautten Compagney Berlin, der Jenaer Philharmonie oder im Rahmen verschiedener Festivals für Alte Musik wie Winter in Schwetzingen oder Güldener Herbst).

Event data provided by: Reservix