Freitag, 27.12.2019
um 20:00 Uhr







Menschlichkeit und Toleranz, die Hauptbotschaften der Aufklärung, haben in
Lessings »Nathan der Weise« ihre dramatische Herausforderung gefunden. Hier
vereinigen sich die drei Weltreligionen nicht nur in der berühmten Ringparabel,
sondern auch in der Figur der Recha, Ziehtochter des unorthodoxen Juden
Nathan, leibliche Tochter einer europäischen Christin und eines zum Christen
konvertierten Moslem.
In kaum einem anderen Werk steht jedoch das vorgestellte Ideal in einem so komplexen und mehr als widersprüchlichen Verhältnis zur umgebenden und nachfolgenden Realität. Muss nicht – anders als bei Recha – der Gottesglaube und vor allen Dingen der Glaube an die mensch liche Vernunft angesichts der
Entwicklung der Welt automatisch ins Wanken geraten? Elfriede Jelinek schafft mit ihrem Text »Abraum halde« also ein dem entsprechendes Missing Link zu »Nathan«: Was passiert, wenn sich eine Gesellschaft für das Geld und gegen Moral ent scheidet, sie sich Moral im wahrsten Sinne des Wortes nicht
mehr leisten kann oder will, wenn die Geschichte zeigt, dass das Geld siegt und das Projekt »Aufklärung« der stetigen Gefahr des Scheiterns ausgesetzt ist?
Inszenierung: Jan Langenheim // Fr 20.09.2019, Kammer

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

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