Montag, 09.12.2019

Literaturhaus Stuttgart
Breitscheidstr. 4
70174 Stuttgart




Lesung und Gespräch
Moderation: Katharina Borchardt

ausverkauft

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

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Schutzzone - Nora Bossong
Lesung und Gespräch

„Dabei habe er seine Sehnsucht nach Kriegen nie ganz aufgegeben, sagte Milan und fügte hinzu, er wünsche natürlich keine Kriege, nur wünsche er sich an die Orte, an denen diese Kriege ja dennoch stattfänden, er halte es einfach schwer aus, hier am Schreibtisch die Berichte und Zahlen zu lesen und doch kaum etwas anderes tun zu können, als sie abzunicken und weiterzureichen.“ Nora Bossong

Nach Stationen bei der UN in New York und Burundi arbeitet Mira für das Büro der Vereinten Nationen in Genf. Während sie tagsüber Berichte über Krisenregionen und Friedensmaßnahmen schreibt, eilt sie abends durch die Gänge der Luxushotels, um zwischen verfeindeten Staatsvertretern zu vermitteln. Bei einem Empfang begegnet sie Milan wieder, in dessen Familie sie nach der Trennung ihrer Eltern im Frühjahr 94 einige Monate gelebt hat. Die Erinnerungen an diese Zeit, aber auch Milans unentschiedene Haltung zwischen gesuchter Nähe und schroffer Zurückweisung überrumpeln und faszinieren sie zugleich. Als ihre Rolle bei der Aufarbeitung des Völkermords in Burundi hinterfragt wird, gerät auch Miras Souveränität ins Wanken, ihr Glaube, sie könne von außen eingreifen, ohne selbst schuldig zu werden. Nora Bossong, 1982 in Bremen geboren, schreibt Lyrik, Romane und Essays, für die sie unter anderem mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet wurde. Zuletzt erschienen im Hanser Verlag ihr Gedichtband „Kreuzzug mit Hund“ (2018).

In Zusammenarbeit mit der „Amahoro | Baden-Württemberg und Burundi Partnerschaft“ und dem Staatsministerium…

Eintritt: 10,-/8,-/5,- €
Umkämpfte Zone: Mein Bruder, der Osten und der Hass - Ines Geipel
Lesung und Gespräch
Moderation: Elke Uhl

»Es geht nicht um das Wegreden von Lebensleistungen. Es geht nicht darum, dass wir nicht miteinander im Osten auf der Wiese gesessen haben, dass wir zusammen Bier getrunken haben. Aber es gibt einen Unterschied, wie ich darin gelebt habe und was ich heute klar sagen muss: Eine Diktatur kann keine Heimat sein« Ines Geipel

Ines Geipels neues Buch »Umkämpfte Zone« ist Familiengeschichte und DDR-Geschichte zugleich. Sie sucht dabei Antworten auf das »Warum« der Radikalisierung der letzten Jahre, ohne dabei Opfererzählungen nach 1989 zu bedienen. Was hat die breite Zustimmung für rechtsextremes Gedankengut möglich gemacht? Warum dieser Hass auf den Staat? Ines Geipel folgt in ihrem Buch den politischen Mythenbildungen des neu gegründeten DDR-Staates, seinen Schweigegeboten und seinem Angstsystem. Vergangenheitsbewältigung konnte unter diesen Umständen kaum stattfinden. Vielmehr wurde eine Vergessenspolitik wirksam, die sich auch in den Familien spiegelte. Gemeinsam mit ihrem Bruder, den sie in seinen letzten Lebenswochen begleitete, steigt Ines Geipel in die »Krypta der Familie« hinab. Geipel, geboren 1960, ist Schriftstellerin und Professorin an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«. Die ehemalige Weltklasse-Sprinterin floh 1989 nach Westdeutschland.

In Zusammenarbeit mit dem Hospitalhof Stuttgart

Eintritt: 10,-/8,-/5,-
Brüder - Jackie Thomae
Lesung und Gespräch
Moderation: Annette Bühler-Dietrich

„Was passiert, wenn man zwei hochvirile Männchen der gleichen Spezies zusammen in einen engen Käfig sperrt? Fallen sie übereinander her oder verbrüdern sie sich? Der Käfig, ein Audi Quattro, die Männchen, Mick und Desmond […]“. Jackie Thomae

Mick, ein charmanter Hasardeur, lebt ein Leben auf dem Beifahrersitz, frei von Verbindlichkeiten. Und er hat Glück – bis ihn die Frau verlässt, die er jahrelang betrogen hat. Gabriel, der seine Eltern nie gekannt hat, ist frei, aus sich zu machen, was er will: einen erfolgreichen Architekten, einen eingefleischten Londoner, einen Familienvater. Doch dann verliert er in einer banalen Situation die Nerven und steht plötzlich als Aggressor da – ein prominenter Mann, der tief fällt. „Brüder“ erzählt von zwei deutschen Männern, geboren im gleichen Jahr, Kinder desselben Vaters, der ihnen seine dunkle Haut hinterlassen hat. Die Fragen, die sich ihnen stellen, sind dieselben, aber ihre Leben könnten nicht unterschiedlicher sein. „Das Berückende an dem Roman ist gerade, wie Thomae es schafft, dass darin "race, class and gender" Thema sind, aber gleichzeitig nicht das Thema sind“, bringt es Marie Schmidt in der Süddeutschen Zeitung anerkennend auf den Punkt. Jackie Thomae, 1972 in Halle an der Saale geboren, ist Journalistin und Fernsehautorin. 2015 erschien ihr Debütroman „Momente der Klarheit“. Ihr Roman „Brüder“ stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2019.
Der Ton der Erinnerung - Swetlana Alexijewitsch und Sergej Newski
Lesung und Gespräch
Moderation: Miron Hakenbeck
Deutsche Lesung: Katharina Hauter
Gesang: Stine Marie Fischer
Klavier: Stefan Schreiber

„Es scheint mir, dass die Erinnerung an Vergangenes erst vollständig wäre, wenn sie auch den Ton, die Stimme umfasste.“ Swetlana Alexijewitsch

Die belorussische Nobelpreisträgerin für Literatur, Swetlana Alexijewitsch, misst dem Klang des erinnernden Sprechens einen großen Stellenwert bei. In ihrer selbstgeschaffenen Gattung des „Romans der Stimmen“ fängt sie die historischen Erfahrungen einer Epoche über unzählige Stimmen Einzelner ein und überführt sie in polyphone Literatur. Der Komponist Sergej Newski hat einige dieser Stimmen nun vertont. Sein im Auftrag der Staatsoper Stuttgart entstandenes Werk „Secondhand-Zeit“ nach Texten von Swetlana Alexijewitsch wird am 2. Februar in der Stuttgarter Oper uraufgeführt – als Teil eines ungewöhnlichen Opernprojekts unter dem Titel „Boris“. Hier wird Newskis Neukomposition mit Modest Mussorgskis Musikdrama „Boris Godunow“ zu einer Inszenierung verzahnt: Sechs unheroische Lebenserinnerungen aus Alexijewitschs „Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus“ stehen dabei Mussorgskis großem historischen Narrativ des tragischen Zaren Godunow gegenüber. Zwei Tage nach der Premiere laden wir Sergej Newski und Swetlana Alexijewitsch ins Literaturhaus ein, um mit Miron Hakenbeck, Dramaturg der Staatsoper Stuttgart, ins Gespräch zu kommen: Auf welche Weise können Literatur und Musiktheater die Gespenster der Vergangenheit beherbergen und wie lässt sich der Weg dieser Stimmen vom Moment ihres Erzählens über das Schreiben bis auf die Opernbühne nachzeichnen?

In Zusammenarbeit mit der Staatsoper Stuttgart

Eintritt: Euro 12,-/10,-/6,-
Der vergessliche Riese - David Wagner
Lesung und Gespräch

Nach dem Bestseller "Leben", ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse, zeigt David Wagner mit „Der vergessliche Riese“ einen Menschen, der – obwohl er nur noch in der Gegenwart lebt und allmählich verschwindet – unverwechselbar bleibt mit seinen Eigenheiten und den Erinnerungen, die er noch hat. Geduldig, zärtlich und behutsam bringt der Erzähler dem Vater bei seinen Besuchen und auf zahlreichen Autofahrten die Orte der Vergangenheit entgegen – "hier haben wir gewohnt, Papa, hier hast du gearbeitet, hier bist du aufgewachsen". Ganz leise, fast unmerklich, schreitet die Demenz voran; eine Annäherung an eine Krankheit und zugleich an eine Beziehung, in der sich David Wagner „in der Kunst des Weglassens übt. Die mitunter kuriosen Situationen beutet er nicht für die nächste Demenz-Pointe aus, sondern schildert lakonisch, nahezu zurückhaltend“, so Helmut Böttiger in der Süddeutschen Zeitung. Eine Familie erlebt einen Rollentausch; der alte Galan, den seine Brüder wie früher Valentino nennen, ist glücklich, obwohl er weiß, was mit ihm ist: Der Vater, zweifach verwitwet, ist wieder Kind geworden. Der Sohn nimmt die Hand des Vaters und bemerkt, dass sie sich "wieder wie eine Kinderhand anfühlt“, „dabei war sie mal die größte Hand der Welt". David Wagner, 1971 geboren, debütierte mit dem Roman «Meine nachtblaue Hose». Es folgten Erzählband, Essaysammlung, Prosabuch und weitere Texte; für „Der vergessliche Riese“ erhielt er 2019 den Bayrischen Buchpreis.

Eintritt: Euro 10,-/8,-/5,-
Der Richter und sein Henker und No und ich - Ulrike Draesner und John von Düffel
Moderation: Katharina Borchardt (SWR2 Literatur)

Als Thema für die Deutsch-Abschlussprüfung der Realschulen in Baden-Württemberg stehen zwei Romane zur Auswahl: Zum einen der Kriminalklassiker Der Richter und sein Henker von Friedrich Dürrenmatt. Doch ist dies wirklich ein Krimi? Der Roman beginnt mit einem Mord, der aufgedeckt werden soll, und weist auch ansonsten viele Merkmale eines Kriminalromans auf. Die Geschichte aber klingt grotesk und unterläuft an vielen Stellen das typische Schema einer Detektivgeschichte. So ist Bärlach ein sehr atypischer Kommissar, schwerkrank, kurz vor der Pensionierung und damit beschäftigt, im Hintergrund die Fäden zu ziehen, um seinen Gegner auszuschalten.
Außerdem der 2007 im Original erschienene Roman No und ich von der Französin
Delphine de Vigan, in dem die hochbegabte, aber sehr unsichere 13-jährige Lou über ihre Grenzen geht, sich mit der 18-jährigen obdachlosen No anfreundet und ihr helfen will. Der Roman wurde in Frankreich mit zwei renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet und in 15 Sprachen übersetzt.
Die Schriftstellerin Ulrike Draesner und der Dramaturg und Autor John von Düffel kommen über diese beiden sehr verschiedenen Werke, ihre Thematiken und Motive ins Gespräch und zeigen verschiedene Lesarten auf.

Gefördert durch: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Außer Haus! Hospitalhof Stuttgart, Evangelisches Bildungszentrum, Büchsenstraße 33, 70174 Stuttgart
Höhenrausch - Neue Aussicht auf Schweizer Literatur - Anna Ospelt, Ivna Zic, Jan Bachmann, Alain Claude Sulzer, Fitzgerald & Rimini
Lesungen, Gespräche, Performance

Das Stuttgarter Literaturhaus wird zur Berghütte und lädt erneut ein auf den Höhenweg durch die Schweizer Literatur. Nach der „Passhöhe“, unserem Schweizer Abend aus dem Jahr 2018, setzen wir unsere Erkundungen fort und erschließen einige der schönsten neuen „literarischen Gipfel“ mit überraschendem Rundumblick. Trittsicher und schwindelfrei müssen Sie nicht sein, Ihre Neugier und Offenheit für Neuerscheinungen aus der Schweiz sind völlig ausreichend. Von Fräulein Rottenmeier bis zu Wurzelstudien und Familienfäden, die sich durch die Schweiz, Paris, durch Deutschland und Kroatien ziehen, vom alternden Schaufensterdekorateur bis zum Monte Verità: Wir bringen neue Texte zu Gehör, in die Höhe und auf die Bühne!

18.00 – 18.45 Uhr
BUCHPREMIERE
Lesung
Anna Ospelt
„Wurzelstudien“
Moderation: Carolin Callies
Station 1: Anna Ospelt, geboren 1987 in Vaduz, legt ihre „Wurzelstudien“ (Limmat Verlag) vor, ebenfalls ein Roman über Herkunftsfragen, gehalten in lyrischer Schwebe und verzweigt wie ein großes Wurzelwerk. Ist der Mensch ein Baum mit Wurzeln, sind Bäume Menschen, sind Vorfahren Wurzeln, die Heimat? Für das Manuskript hat Anna Ospelt bereits den Förderpreis im Rahmen des Deutschen Preises für Nature Writing erhalten.

18.45 – 19.30 Uhr
Lesung
Ivna Zic
„Die Nachkommenden“
Moderation: Giovanna-Beatrice Carlesso
Station 2: Ivna Zic, 1986 in Zagreb geboren, aufgewachsen in Zürich, kommt mit ihrem Debüt „Die Nachkommende“ (Matthes&Seitz), ein Text über die schmerzhafte Verwandlung einer Liebe und eine familiäre Spurensuche zwischen Kroatien, Paris und der Schweiz, mit dem sie aus dem Stand heraus auf der Shortlist für den Schweizer Buchpreises landete.

19.30 – 20.00 Uhr Apéro: Schweizer Wein & Käse

20.00 – 20.40 Uhr
Lesung
Alain Claude Sulzer
„Unhaltbare Zustände“
Moderation: Ursula März
Station 3: Alain Claude Sulzer, 1953 in Basel geboren, bringt seinen Roman „Unhaltbare Zustände“ (Galiani Verlag) mit. Ein Roman über einen Menschen, der sich gegen den Wandel der Zeiten auflehnt und dabei ins Wanken gerät. Schaufensterdekorateur Stettler wird mit knapp sechzig überraschend ein jüngerer Kollege zur Seite gestellt – ein Rivale, ein avisierter Nachfolger, ein Feind! Stettlers Welt beginnt zu bröckeln im Jahre 1968, in dem auch sonst um ihn herum einiges zu bröckeln beginnt.

20.40 – 21.15 Uhr
Comiclesung
Jan Bachmann
„Der Berg der nackten Wahrheiten”
Moderation: Björn Springorum
Station 4: Jan Bachmann, 1986 in Basel geboren, debütierte mit seinem Comic „Mühsam, Anarchist in Anführungsstrichen“. Zum ‚Stuttgarter Höhenrausch‘ bringt er seinen neuen Comic „Der Berg der nackten Wahrheiten“, 2019 erschienen in der edition moderne war er Finalist für den Comicbuchpreis der Leibinger Stiftung. Der Comic erzählt die Geschichte des legendären Monte Verità aus der Sicht einer Ziege.

21.15 – 21.30 Uhr Mini-Apero

21.30 – 22.30 Uhr
Performance & Konzert
Fitzgerald & Rimini
„50 Hertz”
Station 5: Fitzgerald & Rimini bewegen sich an der Schnittstelle von Musik, Literatur und Performance und produzieren zu fantastischer Poesie veredelte Kleinkunstwerke – ein eigenes Genre zwischen Spoken Word, Hörspiel und Song. Das Duo besteht aus dem Musiker und Klangkünstler Robert Aeberhard – Rimini – und der Autorin und Performerin Ariane von Graffenried – Fitzgerald, die in ihren Liedern zwischen hochdeutsch, Berndeutsch, Englisch, Französisch oder Russisch wechseln. (Der gesunde Menschenversand)

Eintritt für den ganzen Abend: € 10,-/ 8,-/ Mitglieder frei

Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung und dem Schweizerischen Generalkonsulat in Stuttgart
Der freie Hund - Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo
Das durchweg hochklassige Programm des Literaturhauses Stuttgart sorgt seit Jahren für ein treues und begeistertes Publikum. Das Angebot reicht von Lesungen über Tagungen und Literaturnächte bis zu Schreibwerkstätten für Jugendliche.

2001 eröffnete W.G. Sebald das Literaturhaus. Seitdem weiß das architektonisch ansprechende Haus von sich zu überzeugen. Ob Zusammenkünfte mit Experimentalkünstler Terje Dragseth oder Nachtgespräche mit Hanns-Josef Ortheil – das Literaturhaus Stuttgart hat sich zu einem lebendigen Treffpunkt der Stadt entwickelt. Ein besonderer Bestandteil des Literaturhauses ist die kreative Zusammenarbeit mit Jugendlichen und Schulklassen. Kurse zu Prosa, Lyrik, Reportage, Drama, Comic und Rap werden neben Fortbildungen für Lehrer angeboten. Wie kaum eine andere Kulturinstitution versteht sich das Literaturhaus darauf, den Dialog zwischen Generationen und verschiedenen Nationalitäten herzustellen. Kein Wunder also, dass diverse Projekte der Veranstalter mit dem Zukunftspreis ausgezeichnet wurden. Der Schmelztiegel der neueren Literatur ist in Stuttgart verankert.

Erleben Sie die hohe Kunst der Sprache und Literatur in den einzigartigen Räumlichkeiten des Literaturhauses. An dieser Location führt für Literaturbegeisterte kein Weg vorbei. Genießen Sie unvergessliche Momente und lassen Sie sich vom vielfältigen Programm aus dem Alltag entführen – es lohnt sich!