Dienstag, 22.10.2019
um 20:00 Uhr

Kulturhaus Karlstorbahnhof
Am Karlstor 1
69117 Heidelberg






Das Konzert ist bestuhlt!

Der Jazzpreis der Zürcher Kantonalbank, der seit 2003 an junge Schweizer Bands vergeben wird, mag hierzulande nicht allzu bekannt sein. Die Jury ist allerdings meist prominent besetzt. 2016 gehörte ihr David Murray an, und der sagte in seiner Laudatio auf das Gewinner-Ensemble um die 1991 geborene Pianistin Marie Kruttli: „This young lady is phenomenal.“ Man muss nicht übersetzen, dass das schwer begeistert klingt. Nach diesem Lob aus berufenem Munde könnte man für einen Augenblick zu schweben anfangen. Marie Kruttli aber dürfte die Sache mit der Musik zu ernst meinen, um abzuheben. 2010 – noch während ihres Musikstudiums in Lausanne – gründete sie ihr erstes Trio. 2015 erschien das Debüt „Kartapousse“, das zweite Trio-Album „Running after the Sun“ kam 2017 heraus. Bassist Lukas Traxel spielt schon lange an ihrer Seite, Schlagzeuger Jonathan Barber, den sie bei ihren Aufenthalten in New York kennengelernt hat, ist neu hinzugestoßen. Feinziselierte Kompositionen, harmonisch überraschende, zuweilen massiv groovende Stücke, deren vielschichtige rhythmische Ebenen auf versponnene Akkordfolgen treffen – Kruttli beherrscht das Perkussive und Repetitive ebenso wie das präzis Gedrechselte. Kritiker fühlen sich an Herbie Hancock erinnert, andere hören Colin Vallon aus ihrem Spiel heraus, wieder andere spüren eine Verwandtschaft zu Marilyn Crispell. Einig ist man sich aber darin, dass aus ihr eine wichtige Exponentin der europäischen Szene werden könnte.

Einlass 19 Uhr

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

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Sarah McCoy
Das Konzert ist bestuhlt!

Die schönsten Mythen populärer Musik handeln von verkannten Genies, die beinahe nicht dorthin gefunden hätten, wo sie eigentlich hingehören: ins Rampenlicht. Von daher ist Sarah McCoys Geschichte eine fast prototypische: Nach dem Tod ihres Vaters wird das Klavier und die Musik zur Rettung. Mit einer Gitarre im Gepäck schlägt sie sich nach Kalifornien durch, sie schreibt Songs und singt, als würde sie es mit Göttinnen wie Bessie Smith oder Nina Simone aufnehmen wollen. Ihre Lehr- und Wanderjahre, entlang am Abgrund des Scheiterns, führen sie 2011 nach New Orleans. Dort spielt sie in wirklich jedem Club und jeder Kaschemme. Songs und Stimme werden dunkler, freier, bewegender. Der französische Regisseur Bruno Moynie, auf Besuch in der Stadt, erkennt ihr Talent. Dreht eine Doku über McCoy. Arrangiert eine Tour durch Frankreich. Und dann die entscheidende Begegnung: Sie tritt im Vorprogramm von Chilli Gonzalez auf, der als Exzentriker begeistert ist von der Exzentrikerin. Er produziert ihre erste Platte: „Blood Siren“ (2019) klingt nicht wie ein Debüt, sondern wie das reife Werk einer Sängerin und Poetin, aufgenommen mit einem Minimum an Mitteln und einem Maximum an emotionaler Wirkung. Und mit einem Gesang, den die Mittdreißigerin so beschreibt: „Wenn ich singe, vibriert mein ganzer Körper, ich schließe die Augen und sehe Farben, lasse Landschaften entstehen.“

Einlass 20 Uhr