Montag, 14.10.2019
um 20:00 Uhr

Alte Universität
Grabengasse 1
69117 Heidelberg






Das Konzert ist bestuhlt!

Seine 2006 in New York gegründete City Band – eines von mehreren seiner Ensembles – bezeichnet Kinan Azmeh als Arab- Jazz-Quartet. Was schon einiges über diesen gefeierten Klarinettisten erzählt, aber nicht alles. Fangen wir ganz am Anfang an, im Damaskus der späten 70er und 80er Jahre, wo der 1976 geborene Azmeh aufgewachsen ist. Der Vater war Ingenieur, die Mutter Ärztin, aber beide spielten mit Leidenschaft Instrumente, und wenn Freunde zu Besuch waren, wurde zusammen musiziert. Beethoven und Brahms schallten im Elternhaus aus den Lautsprechern, und in der Stadt waren überall die Klänge verschiedenster arabischer Kulturen zu hören – Syrien, es ist lange her, war ja ein Melting Pot. Von der Violine wechselte Azmeh früh zur Klarinette, studierte am Arabischen Konservatorium in Damaskus; nebenbei schloss er noch ein Studium zum Elektroingenieur ab. Dann ging er nach New York an die Juilliard School, wo er auch den Jazz kennenlernte. Inzwischen weiß er, dass alles miteinander zusammenhängt und zusammengeht: das Dasein als klassischer Interpret – er spielt als Solist weltweit mit großen Orchestern – Komposition und Improvisation. Mit seiner City Band gelingt es ihm vielleicht am eindrucksvollsten, die verschiedenen Prägungen zu entfalten, den Drive des Jazz und die harmonische Tiefe klassischer Musik mit der Fabulierlust und den melodisch-mäandernden arabischen Traditionen zu verknüpfen. Bei allem, hat er einmal gesagt, komme es indes auf eines an: die eigene Stimme zu finden.

Einlass 19:00 Uhr

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

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Sarah McCoy
Das Konzert ist bestuhlt!

Die schönsten Mythen populärer Musik handeln von verkannten Genies, die beinahe nicht dorthin gefunden hätten, wo sie eigentlich hingehören: ins Rampenlicht. Von daher ist Sarah McCoys Geschichte eine fast prototypische: Nach dem Tod ihres Vaters wird das Klavier und die Musik zur Rettung. Mit einer Gitarre im Gepäck schlägt sie sich nach Kalifornien durch, sie schreibt Songs und singt, als würde sie es mit Göttinnen wie Bessie Smith oder Nina Simone aufnehmen wollen. Ihre Lehr- und Wanderjahre, entlang am Abgrund des Scheiterns, führen sie 2011 nach New Orleans. Dort spielt sie in wirklich jedem Club und jeder Kaschemme. Songs und Stimme werden dunkler, freier, bewegender. Der französische Regisseur Bruno Moynie, auf Besuch in der Stadt, erkennt ihr Talent. Dreht eine Doku über McCoy. Arrangiert eine Tour durch Frankreich. Und dann die entscheidende Begegnung: Sie tritt im Vorprogramm von Chilli Gonzalez auf, der als Exzentriker begeistert ist von der Exzentrikerin. Er produziert ihre erste Platte: „Blood Siren“ (2019) klingt nicht wie ein Debüt, sondern wie das reife Werk einer Sängerin und Poetin, aufgenommen mit einem Minimum an Mitteln und einem Maximum an emotionaler Wirkung. Und mit einem Gesang, den die Mittdreißigerin so beschreibt: „Wenn ich singe, vibriert mein ganzer Körper, ich schließe die Augen und sehe Farben, lasse Landschaften entstehen.“

Einlass 20 Uhr