Freitag, 26.04.2019
um 20:00 Uhr

Fischbahnhof
Am Schaufenster 6
27572 Bremerhaven


Tickets
ab 19,80 €




Sein Klavierspiel ist unverkennbar. Sein Gesang auch. Seine Kompositionen sowieso. Wer sie hört, verfällt ihnen. Da gibt es kaum Fluchtmöglichkeiten. Und trotzdem ist Rainer Bielfeldt kein Typ für Massenware. Zwar hat er durchaus schon Massen erreicht im Laufe seiner gut 30-jährigen Karriere –
sowohl als Solist wie auch als kongenialer Begleiter von Stars wie Tim Fischer, Gayle Tufts, Ole Lehmann, Nana Gualdi oder Alfred Biolek – trotz allem aber lässt er sich gern jeden Abend "neu entdecken". Am liebsten von einem aufgeschlossenen, musikaffinen und leidenschaftlichen Publikum.
Gut zehn Jahre nach seinem letzten Album "Sänger sein" bringt er jetzt ein neues auf den Markt und geht endlich auch wieder auf die Bühne. Das Projekt heißt "Die Erinnerung von morgen".
Warum die lange Pause, Herr Bielfeldt? "Ach, eine Pause war das eigentlich nicht", wiegelt er ab, "ich hab mich nur für den Moment zurückgezogen aus der ersten Reihe und mehr Musik für Andere gemacht." Mit den inzwischen verstorbenen Publikumslieblingen Dirk Bach und Christiane Weber und
Stars wie Jan Ammann oder Mireille Mathieu hat es Bielfeldt ins Studio gezogen. Chansons, Schlager, Musicals und Hörspiele unterschiedlichster Couleur sind entstanden. Und dann ist da natürlich noch
"sein" Künstler der ersten Stunde: Tim Fischer! Mit ihm ist er seit Jahren wieder unterwegs. Das aktuelle Programm "Absolut!" führt die beiden Chanson-Ikonen seit einem knappen Jahr wieder quer durch die Republik – und das wird es auch weiterhin! Aber: Es wird auch wieder Zeit für ein neues
Solo-Abenteuer. Warum "Die Erinnerung an morgen"? "Das Titellied entstand in der Celler Schule, der Songtexter-Akademie, die ich seit einigen Jahren mitleite", erklärt Bielfeldt. "Mit dreien der Absolventen habe ich den Titel geschrieben. Es ist ein Lied übers Innehalten. Ein Lied mit zwei
Gegenpolen: einem getriebenen, zeitbesessenen und einem ruhigen, zeitlosen. Letzterer ist der wichtigere. Und genau so soll auch das Programm sein: Ein ruhiger, zeitloser Abend als Gegenpol zum
tagtäglichen Wahnsinn. Ein schöner Moment, der zur Erinnerung von morgen wird." Die Musik zu diesem und nahezu allen anderen Liedern des Programms stammt von Rainer Bielfeldt selbst. Einige Texte auch ("Dazwischen", "Der dritte Mai", "Nicht mal zehn Schritte"). Für die anderen konnte der charmant-smarte Hanseat Autorenkolleginnen und -kollegen der Premiumklasse gewinnen, darunter seine Haus- und Hof-Dichterin Edith Jeske ("Willi", "Gute Reise, mein Herz", "Tot in Venedig"), aber auch Tobias Reitz ("Wie Sommer, bloß mit Schnee") und die bereits erwähnte Christiane Weber (1975-2011) ("Mein Herz, so weit").
Rainer Bielfeldt ist kein Teenager mehr. Er hat aber noch die gleiche Spielfreude wie damals. Vielleicht noch etwas mehr. Schließlich weiß er heute, was er tut (und auch, was er nicht mehr tun würde). Das Anliegen, das ihn mit dem neuen Programm antreibt, ist eher puristisch: Musik machen. Und zwar so, dass es Spaß macht. Kein starrer Ablauf, aber ein großer Fundus an guten, berührenden Songs mit einigen neu geschaffenen und anderen noch unentdeckten Perlen. Keine ausgetüftelte Dramaturgie
mit sekundengenau platzierten Pointen, aber eine unnachahmliche Fähigkeit zur Improvisation – sowohl in der Musik als auch in den charmant-feinsinnigen Conferencen. Keine Angst vor Hintersinn, aber auch nicht vor großen Gefühlen. Überhaupt: Gefühle. Da sagt der Sänger, er wünsche sich mit seiner Musik "Momente des Glücks". Da bescheinigt ihm die Presse, er sei "ein Romantiker mit Herzenswärme" (BZ) und mit "fast schon waffenscheinpflichtigen Schauer-Angriffen in seinen Pop- Balladen" (Hamburger MoPo). Und dann sind da seine Fans, die ihm mitunter durch halb Deutschland nachreisen, weil man Bielfeldt eigentlich kaum als "einen unter vielen" mögen kann – ihm verfällt man ganz. "Na das is’ doch fein", sagt Bielfeldt. Hanseaten reden ja nicht viel über solche Dinge. Im
besten Fall setzen sie sich ans Klavier und singen. Endlich wieder.

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Rainer Bielfeldt | Zwei Leben
"Wir haben zwei Leben. Und das zweite beginnt, wenn uns klar wird: Wir haben nur eins."

Seit einigen Monaten nutzt Rainer Bielfeldt den Hashtag "#rainersingtwieder", wenn er in den sozialen Medien Meldungen postet. Wobei das missverständlich ist: Er hat nie aufgehört zu singen. Aber mit seinem 2017 erschienenen Album "Die Erinnerung von morgen" hatte er sich satte elf Jahre Zeit gelassen. "So lange will ich nie wieder Solo-Pause machen", sagt er heute. Er sagt es nicht nur – er handelt auch danach. Das Programm "Zwei Leben" (Regie: Edda Schnittgard, "Queen Bee") startet im Sommer 2019. Veröffentlichung des gleichnamigen Albums inklusive. Wird dieser Zwei-Jahres-Turnus damit ab sofort zur Regel? "Wir werden sehen", schmunzelt er, "im Moment fühle ich mich wohl damit. Der Weg macht mich glücklich."

Ach ja, das Glück. Scheint als hätte er es gefunden. Davon handelt auch der Album-Titel. 
Auf den Spruch mit den „zwei Leben“ stieß Bielfeldt beim Surfen im Internet. Wo er herkommt, weiß keiner. Im Netz wird er wahlweise Konfuzius, dem brasilianischen Dichter Mario de Andrade oder dem britischen Schauspieler Tom Hiddleston zugeschrieben. "Vielleicht stammt der Satz aber auch einfach aus einem sehr gut gemachten Glückskeks", sagt Bielfeldt, "die Erkenntnis darin ist jedenfalls wahr und wahrhaftig." Und so nimmt uns der Sänger mit auf einen ausgedehnten Streifzug durch die Höhen und Tiefen, die großen Wunder und die kleinen Ernüchterungen und die vielen liebenswerten und manchmal tragikomischen Momente seines zweiten, seines einzigen Lebens: Er besingt die oft nervenzehrende, aber dennoch geliebte Familienbande ("Die Hölle, die mich wärmt"); er feiert in "Viel zu selten allein" die gelegentliche Distanz, die die Liebe atmen lässt ("Wir würden wieder lernen uns zu sehnen und neu erfahren, wie man sich vermisst..."); er lenkt den Blick über den "Horizont" hinaus, der eben nicht "das Ende der Welt" ist, sondern eher der Anfang von etwas Neuem. Das portugiesisch-deutsche Lied „Inesperadamente (Unerwartet)“ widmet er seinem brasilianischen Mann Tiago und dem gemeinsamen, kurvenreichen Weg. Und schließlich gibt er mit "Insel namens Abendland" auch ein Statement ab, das authentisch und zeigefingerfrei daherkommt, aber dennoch unmissverständlichen Bezug nimmt auf das gesellschaftliche Zeitgeschehen und den spürbaren Rechtsruck in diesem Land.

Auch das ist Teil des zweiten, des einzigen Lebens: eine Haltung. Die von Rainer Bielfeldt ist nie destruktiv, und nie macht er es sich zu einfach. Aber für Überraschungen ist er gut: Würden andere Sänger ein Lied mit der Zeile "Pflanz Lavendel auf mein Grab" betiteln, dann sängen sie wahrscheinlich über den Tod. Bielfeldt hingegen singt übers Leben:

Doch vorher lass uns den Verstand verlieren
im Höhen- und im Tiefenrausch der Welt
und in Venedig auf dem Markusplatz campieren
und unsre Falten zählen, bei keiner Dummheit fehlen,
von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt.

Lavendel ist übermorgen, heute ist Leben. Zwei Leben. #rainersingtwieder. Famos!

Einlass: 19:00 Uhr