Donnerstag, 17.01.2019

Literatur ab 9,15 €
Marie Gamillscheg: Alles was glänzt
17.01.2019 in Nürnberg

Marie Gamillscheg liest aus "Alles was glänzt"
Gegenwartsliteratur im Z-Bau


Tief in den Stollen des alten Bergwerks tut sich was und alle im Dorf können es spüren. Die Wirtin Susa zum Beispiel, wenn sie im Espresso nachts die Pumpen von den Ketchup-Eimern schraubt. Oder der alte Wenisch, ihr letzter Stammgast. Sogar der Bürgermeister, wenn er nicht gerade auf Kur ist. Zuallererst aber hat es der schweigsame Martin gespürt, bis er dann eines Morgens die Kontrolle über sein Auto verlor. Es ist, als würde der Berg zittern, als könne er jeden Augenblick in sich zusammenbrechen. Für die junge Teresa und den Neuankömmling Merih ist die Sache klar: Sie will sich endlich absetzen aus dem maroden Ort, er hingegen sucht einen Neuanfang - ausgerechnet hier.

Marie Gamillscheg nimmt den Leser mit in eine allmählich verschwindende Welt. Vielstimmig und untergründig erzählt ihr Debüt von einer kleinen Schicksalsgemeinschaft im Schatten eines großen Bergs und vom Glanz des Untergangs wie des Neubeginns.

Über die Autorin
Marie Gamillscheg, geboren 1992 in Graz. Lebt in Berlin, arbeitet als freie Journalistin u.a. für ZEIT Campus. 2015 u.a. Literaturförderungspreis der Stadt Graz und New German Fiction Preis. 2016 Klagenfurter Literaturkurs und Arbeitsstipendium des Berliner Senats, 2017 Aufenthaltsstipendium in Schöppingen. Veröffentlichungen in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien (u.a. Edit, Lichtungen, Poet, Literarische Welt).


Präsentiert von curt, Kunstnürnberg, Buchhandlung Jakob

Einlass: 20:00 Uhr
Klassik-Konzert ab 21,10 €
Konzert zum 75. Geburtstag von York Höller - Zephyr-Bläserquintett/Paulo Alvares (Klavier)
17.01.2019 in Leverkusen

Zephyr-Bläserquintett (Michael Faust: Flöte, Manuel Bilz: Oboe, Thorsten Johanns: Klarinette, Ole Cristian Dahl: Fagott, Paul van Zelm: Horn), Paulo Alvares (Klavier)

György Ligeti: 6 Bagatellen für Bläserquintett
York Höller: „Scan“ für Flöte solo
York Höller: „Weit entfernt und doch so nah“ (Hommage an Ludwig van Beethoven) für Klavier
Luciano Berio: „Opus Number Zoo“ für Bläserquintett
Alban Berg: Vier Stücke für Klarinette und Klavier op. 5
York Höller: „Klangzeichen“ für Bläserquintett und Klavier

Im Januar 2019 feiert der in Leverkusen geborene und aufgewachsene Komponist York Höller seinen 75. Geburtstag. Der Träger des amerikanischen „Grawemeyer“-Preises – des „Nobelpreises“ der zeitgenössischen Musik – zählt zu den international angesehenen Komponisten der Gegenwart. Zur 75-Jahr-Feier der Stadt Leverkusen im Jahr 2005 hat er in deren Auftrag das Kammerensemblestück „Feuerwerk“ komponiert, das später Teil eines großen Orchesterzyklus wurde. Das Konzert mit dem Zephyr-Bläserquintett, das aus Solo-Bläsern des WDR- Sinfonieorchesters besteht, und dem Pianisten Paulo Alvares ist ein Gruß zum 75. Geburtstag York Höllers, der selber zu Gast sein wird. Auf dem Programm stehen Werke, die ihn beeinflusst haben – und, natürlich, eigene Kompositionen.

(Foto York Höller: Hanna Engwald)
Literatur ab 12,00 €
Otto Julius Bierbaums „Die Schlangendame“ – ein frivoler Roman aus dem Jahre 1896 zum Wiederentdecken, Staunen und Schmunzeln - Grammophon-Lesung mit Jo van Nelsen
17.01.2019 in Frankfurt am Main

Der satirische Roman „Die Schlangendame“ ist eine literarische Perle, die in Sujet und Atmosphäre Heinrich Manns „Professor Unrat“ (aka „Der Blaue Engel“) und Kurt Tucholskys „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“ vorwegnimmt: Mathilde Holunder, gefallene Pfarrerstochter, verdingt sich in einem Varieté als biegsame „Schlangendame“. Dort trifft sie auf den leichtlebigen Studenten Brock, mit dem sie ein Liebesverhältnis gegen jede Konvention eingeht – um über viele Umwege schließlich doch im Hafen der Ehe zu landen.
Unkonventionell und libertinär ist der Roman, wie das Jahr, in dem er entstanden ist und das in Bild und Ton in dieser Lesung wiedererstehen wird: 1896 feierten die Deutschen das 25jährige Bestehen des Kaiserreiches und seiner preußischen Ordnung, aber auch die Premiere der veristrischen Puccini-Oper „La Bohème“; die ersten U-Bahnen fuhren durch Glasgow und Budapest und in London beklagt man das erste Opfer eines Verkehrsunfalls, an dem ein Automobil beteiligt war. Und: 1896 wurden in Deutschland die ersten Filme in Varietés und auf Jahrmärkten gezeigt!
Ebenso unkonventionell der Autor der „Schlangendame“: Als Otto Julius Bierbaum 1910 mit nur 44 Jahren in Dresden stirbt, gilt er als einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren – heute ist er fast vergessen. Vielleicht, weil er wie kaum ein zweiter am Puls seiner Zeit lebte: Er ist Vordenker des deutschen Kabaretts in seinem Roman „Stilpe“; der erste Automobilist, der 1903 die Alpen überquert, darüber einen höchst vergnüglichen Bericht schreibt und damit das erste Autoreisebuch der deutschen Literatur schafft; Förderer der modernen Literatur- und Kunstszene durch die Gründung diverser Zeitschriften (aus einer geht der noch heute existierende Insel Verlag hervor); ein Mann, der nachts arbeitet und tagsüber schläft, wie besessen sein Privatleben und seine Gesundheit opfert für die Dinge, die ihm JETZT wichtig erscheinen, der unbedingt Chronist seiner Zeit sein will. 2015 jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal – ein willkommener Anlass, wieder an diesen einzigartigen Spötter des Kaiserreichs zu erinnern.
Mehr zu Otto Julius Bierbaum bei Wikipedia.
Der Grundgedanke der Grammophonlesungen, nämlich den Soundtrack zum Text direkt aus dem Trichter kommen zu lassen, wird bei dieser Lesung noch durch Einspieler früher Stummfilme ergänzt, die Original-Varieté-Nummern der Jahrhundertwende zeigen. Freuen Sie sich auf einen Abend voller Schlangendamen, Serpentinentänzerinnen, stimmungsvoller Walzer und dem Schmelz des Jahrhunderttenors Enrico Caruso.
Projektleitung: Frankfurter Bürgerstiftung
Förderer: Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung