Montag, 22.01.2018

andere
Shawn Holt & The Teardrops
22.01.2018 in Kassel

Nicht selten treten die Söhne das berufliche Erbe ihrer Väter an. Das gilt auch für den Blues. Mud Morganfield übernahm das von Muddy Waters, Bernard Allison das von Vater Luther, John Lee Hooker übergab an Sohnemann John Lee Jr. und Carey Bell an seinen Stammhalter Lurrie. Shawn Holt, der in der Neuen Welt zum Bluesfest-Konzert angetreten ist, ist der Sohn des 2013 verstorbenen Magic Slim, eines der bekanntesten Vertreters des West-Side-Chicago-Blues. In diesem Fall übernahm der Sohnemann vor nunmehr vier Jahren gleich die gesamte Band des Vaters, die Teardrops nämlich, was den Vorteil hatte, dass er sofort auf eine bombensicher eingespielte Truppe zurückgreifen konnte.

Ein Umstand wie dieser ist selten von Nachteil und wirkt sich gerade bei Livekonzerten positiv aus. Wie bei dem in der Neuen Welt beispielsweise, denn die Teardrops legen bereits mit dem ersten Song los wie die Feuerwehr und geben auch nicht eher Ruhe, bis nach weit über zwei Stunden quasi der Blues von den Wänden tropft. So muss es sein, so stellt man sich schweißtreibenden Blues vor, der einen direkt bei den Eingeweiden packt, rhythmisch mitreißt wie bei “Bright Lights, Big City”, zu Tränen rührt wie bei “Wish You Would Never Part” und die Luft zum Schwirren bringt wie bei “Can’t Hold Out”.
“My Daddy Told Me”: Das ist Holts Motto, diesen Namen trägt auch seine CD aus dem Jahr 2013, aus der er freilich keine einzige Nummer spielt. Sein Dad hat gute Erziehungsarbeit geleistet und könnte, wäre er noch unter uns, in der Tat stolz sein auf die Art und Weise, wie Shawn sein Erbe verwaltet, präsentiert und – ja, auch das gehört dazu – sich dennoch auch deutlich abgrenzt und seinen eigenen Weg sucht. Holt betreibt mehr als lediglich Nachlassverwaltung. Er hat den messerscharfen Gitarrensound von Albert Collins übernommen und auch viele Klassiker des Chicago Blues, denen er neues Leben einhaucht, indem er sie mit purer Energie auflädt. Wie bei seinem Vater ist auch bei Shawn Holt die Anzahl seiner Eigenkompositionen überschaubar, andererseits aber macht er deutlich, was Klassiker wie “Got My Mojo Working” und “Walking The Dog” alles hergeben, wenn man sie nur mit genügend Dynamik und Verve spielt.
Und so brennt bei einer selten dreckigen und gerade deshalb so sensationellen Version der alten Hound Dog Taylor-Nummer “It’s Allright” förmlich die Luft, verleiten Songs wie “Since I Met You, Baby” mit ihren akustischen Eruptionen das Publikum in der ausverkauften Neuen Welt immer wieder zu Szenenapplaus. Shawn Holt & The Teardrops: Diese Band ließ an diesem Abend nichts, aber auch gar nichts, anbrennen.

Einlass eine Stunde vor Beginn
Konzerte
Shawn Holt & The Teardrops
22.01.2018 in Kassel

20:00 Uhr | Eintritt 15,- Euro | Abendkasse 18,- Euro



Nicht selten treten die Söhne das berufliche Erbe ihrer Väter an. Das gilt auch für den Blues. Mud Morganfield übernahm das von Muddy Waters, Bernard Allison das von Vater Luther, John Lee Hooker übergab an Sohnemann John Lee Jr. und Carey Bell an seinen Stammhalter Lurrie. Shawn Holt, der in der Neuen Welt zum Bluesfest-Konzert angetreten ist, ist der Sohn des 2013 verstorbenen Magic Slim, eines der bekanntesten Vertreters des West-Side-Chicago-Blues. In diesem Fall übernahm der Sohnemann vor nunmehr vier Jahren gleich die gesamte Band des Vaters, die Teardrops nämlich, was den Vorteil hatte, dass er sofort auf eine bombensicher eingespielte Truppe zurückgreifen konnte.



Ein Umstand wie dieser ist selten von Nachteil und wirkt sich gerade bei Livekonzerten positiv aus. Wie bei dem in der Neuen Welt beispielsweise, denn die Teardrops legen bereits mit dem ersten Song los wie die Feuerwehr und geben auch nicht eher Ruhe, bis nach weit über zwei Stunden quasi der Blues von den Wänden tropft. So muss es sein, so stellt man sich schweißtreibenden Blues vor, der einen direkt bei den Eingeweiden packt, rhythmisch mitreißt wie bei “Bright Lights, Big City”, zu Tränen rührt wie bei “Wish You Would Never Part” und die Luft zum Schwirren bringt wie bei “Can’t Hold Out”.

“My Daddy Told Me”: Das ist Holts Motto, diesen Namen trägt auch seine CD aus dem Jahr 2013, aus der er freilich keine einzige Nummer spielt. Sein Dad hat gute Erziehungsarbeit geleistet und könnte, wäre er noch unter uns, in der Tat stolz sein auf die Art und Weise, wie Shawn sein Erbe verwaltet, präsentiert und – ja, auch das gehört dazu – sich dennoch auch deutlich abgrenzt und seinen eigenen Weg sucht. Holt betreibt mehr als lediglich Nachlassverwaltung. Er hat den messerscharfen Gitarrensound von Albert Collins übernommen und auch viele Klassiker des Chicago Blues, denen er neues Leben einhaucht, indem er sie mit purer Energie auflädt. Wie bei seinem Vater ist auch bei Shawn Holt die Anzahl seiner Eigenkompositionen überschaubar, andererseits aber macht er deutlich, was Klassiker wie “Got My Mojo Working” und “Walking The Dog” alles hergeben, wenn man sie nur mit genügend Dynamik und Verve spielt.

Und so brennt bei einer selten dreckigen und gerade deshalb so sensationellen Version der alten Hound Dog Taylor-Nummer “It’s Allright” förmlich die Luft, verleiten Songs wie “Since I Met You, Baby” mit ihren akustischen Eruptionen das Publikum in der ausverkauften Neuen Welt immer wieder zu Szenenapplaus. Shawn Holt & The Teardrops: Diese Band ließ an diesem Abend nichts, aber auch gar nichts, anbrennen.


Dienstag, 23.01.2018

Konzerte
Bubaran
23.01.2018 in Kassel

20:00 Uhr | Eintritt 13,- Euro | Abendkasse 16,- Euro



Inspiriert von der Klangwelt indonesischer Gamelan Orchester hat Andreas Tschopp ein Ensemble hochkarätiger Improvisatoren und Klangästheten um sich geschart. Diese befreit er von den Fesseln der wohltemperierten Stimmung und schickt sie auf eine Erkundungs­reise durch die erhabene Schönheit metallener Schwebungen und hyp­no­ti­scher Ostinati.

Im Geiste ist Bubaran ein Jazzquintett. Doch schon die Besetzung – drei Blechbläser, ein Gitarrist, ein Schlagzeuger – verdeutlicht, dass damit nicht der Klang des Great American Songbooks gemeint ist, sondern vielmehr die Spielhaltung, der Erfinder- und Entdecker­geist des Jazz.

Bubaran ist ein Jazzquintett. Aber Bubaran ist auch ein Taschen – Kammerorchester, ein Fernrohr in die Klangwelt indonesischer Tempelanlagen, ein Sänger archaischer Arien, ein Volksfest auf dem Dorfplatz.

Aus den CD Linernotes von Matthew Welch:

Die Musik von Bubaran ist global angelegt, gleichzeitig dient die Verschmelzung verschie­dener musikalischer Traditionen aber der sehr persönlichen Vision des Posaunisten Andreas Tschopp, Leader und Komponist der Band.

Die Instrumentierung und Orchestrierung, welche Tschopp wählt, ruft kontinuerlich Er­in­nerun­gen an die Texturen indonesischer Musik wach. So erinnert die Hinzunahme einer zweiten Posaune, gespielt von Bernhard Bamert, an den häufigen Gebrauch von Instru­men­tenpaaren in der Balinesischen Musik. Die Trompete, gespielt von Matthias Spillmann, erweitert das Klangspektrum der Blechinstrumente ins hohe Register und nimmt Bezug auf die höher gestimmten bronzenen Perkussionsinstrumente, welche in einem typischen Gamelan Ensemble tiefer gestimmte Instrumente der selben Art er­gän­zen. Der Gitarrist Ronny Graupe verwendet bemerkenswerte Effekte, welche ihm helfen sehr unter­schied­liche musikalische Rollen einzunehmen. So leistet er mit Jazz-Akkorden harmonische Unter­stützung, beschwört die strukturelle und melodische Dichte von Java­nesischen Zit­hern herauf oder erzeugt kreative perkussive Geräusche. Das vielseitige und bewegliche Schlagzeugspiel von Julian Sartorius komplettiert ein perfektes Ensemble, welches ganz unterschiedliche Gestalt annehmen kann.



Das Lineup:

Andreas Tschopp, Posaune

Matthias Spillmann, Trompete

Bernhard Bamert, Posaune

Ronny Graupe, Gitarre

Lionel Friedli, Schlagzeug


andere
Bubaran
23.01.2018 in Kassel

Inspiriert von der Klangwelt indonesischer Gamelan Orchester hat Andreas Tschopp ein Ensemble hochkarätiger Improvisatoren und Klangästheten um sich geschart. Diese befreit er von den Fesseln der wohltemperierten Stimmung und schickt sie auf eine Erkundungs­reise durch die erhabene Schönheit metallener Schwebungen und hyp­no­ti­scher Ostinati.
Im Geiste ist Bubaran ein Jazzquintett. Doch schon die Besetzung – drei Blechbläser, ein Gitarrist, ein Schlagzeuger – verdeutlicht, dass damit nicht der Klang des Great American Songbooks gemeint ist, sondern vielmehr die Spielhaltung, der Erfinder- und Entdecker­geist des Jazz.
Bubaran ist ein Jazzquintett. Aber Bubaran ist auch ein Taschen – Kammerorchester, ein Fernrohr in die Klangwelt indonesischer Tempelanlagen, ein Sänger archaischer Arien, ein Volksfest auf dem Dorfplatz.
Aus den CD Linernotes von Matthew Welch:
Die Musik von Bubaran ist global angelegt, gleichzeitig dient die Verschmelzung verschie­dener musikalischer Traditionen aber der sehr persönlichen Vision des Posaunisten Andreas Tschopp, Leader und Komponist der Band.
Die Instrumentierung und Orchestrierung, welche Tschopp wählt, ruft kontinuerlich Er­in­nerun­gen an die Texturen indonesischer Musik wach. So erinnert die Hinzunahme einer zweiten Posaune, gespielt von Bernhard Bamert, an den häufigen Gebrauch von Instru­men­tenpaaren in der Balinesischen Musik. Die Trompete, gespielt von Matthias Spillmann, erweitert das Klangspektrum der Blechinstrumente ins hohe Register und nimmt Bezug auf die höher gestimmten bronzenen Perkussionsinstrumente, welche in einem typischen Gamelan Ensemble tiefer gestimmte Instrumente der selben Art er­gän­zen. Der Gitarrist Ronny Graupe verwendet bemerkenswerte Effekte, welche ihm helfen sehr unter­schied­liche musikalische Rollen einzunehmen. So leistet er mit Jazz-Akkorden harmonische Unter­stützung, beschwört die strukturelle und melodische Dichte von Java­nesischen Zit­hern herauf oder erzeugt kreative perkussive Geräusche. Das vielseitige und bewegliche Schlagzeugspiel von Julian Sartorius komplettiert ein perfektes Ensemble, welches ganz unterschiedliche Gestalt annehmen kann.

Das Lineup:
Andreas Tschopp, Posaune
Matthias Spillmann, Trompete
Bernhard Bamert, Posaune
Ronny Graupe, Gitarre
Lionel Friedli, Schlagzeug

Einlass eine Stunde vor Beginn

Mittwoch, 24.01.2018

Donnerstag, 25.01.2018