Samstag, 09.11.2019
um 21:00 Uhr

Kulturhaus Karlstorbahnhof
Am Karlstor 1
69117 Heidelberg






Das Konzert ist bestuhlt!

Da dieser Abend ein Teil des Spotlight Polens ist, werden zusätzlich zum Maciej Obara Quartet noch weitere Bands auftreten: Resina, Kamil Piotrowicz Sextet und das Kuba Wicek Trio.

Krzysztof Komeda + Tomasz Stanko + Manfred Eicher – auf diese Formel könnte man den Eingangscode für polnische Jazzer auf’s internationale Parkett herunterbrechen. Im Falle des hochtalentierten Altsaxophonisten Maciej Obara, Jahrgang 1981, hat sich diese Formel, die sich bereits im Falle von Marcin Wasilewski bestens bewährt hat, einmal mehr bestätigt. Mit einem Trio gewann Obara 2006 einen Nachwuchswettbewerb. Der „ECM“-Produzent Manfred Eicher wurde auf den Musiker aufmerksam und empfahl ihn an den Trompeter Tomasz Stanko weiter, wo Obara in dessen Formationen Special Project und New Balladyna Quartet mitwirkte. Gleichzeitig war Obara als Leader in diversen Projekten tätig, darunter seit 2013 mit diesem polnisch-norwegischen Quartett, das nach einigen Livealben wie „Komeda“ (2013) Ende 2017 mit „Unloved“ ein erstes Studioalbum bei „ECM“ veröffentlichte und von der internationalen Kritik bejubelt wurde. Mit seinem lyrisch-balladesken Duktus, dominiert von Klavier und Saxophon, und der transparenten Produktion, klingt „Unloved“ fast wie ein archetypisches „ECM“-Album. Das Titelstück ist überdies die Interpretation einer Komeda-Komposition. Aber man lasse sich nicht täuschen: im hinteren Teil des Albums finden sich ein, zwei Stücke, die zeigen, dass dieses Quartett auch improvisatorisch über enorme Qualitäten verfügt und richtig Druck zu machen versteht.

Einlass 20 Uhr

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Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

weitere Termine

Ashley Henry
Das Konzert ist unbestuhlt!

Was ist da nur gerade los in London? In England und speziell der Hauptstadt brodelt es in Sachen Jazz jedenfalls seit einer Weile. Vielleicht hat das mit gesellschaftlichen Spannungen im Königreich zu tun, die musikalisch befruchtend wirken. Enjoy Jazz hat seit ein paar Jahren ein Augenmerk auf die neue UK-Jazz-Community; bei dieser Ausgabe darf man fast von einer British Invasion sprechen. Einer der neuen Stars ist Ashley Henry. Das klassische Piano-Trio steht beim Mittzwanziger im Fokus, wird aber immer wieder auch erweitert – etwa um die Trompeter Keyon Harrold und Theo Croker, um die Sängerinnen Judi Jackson und Cherise Adams Burnett oder um Altmeister Jean Toussaint. Man merkt, dass der junge Pianist von Legenden wie Herbie Hancock und Ahmad Jamal beeinflusst ist, gerade auch was die Fähigkeit angeht, catchy Melodien zu entwerfen; aber ebenso sehr von Zeitgenossen wie Robert Glasper oder Christian Scott, die sich nicht nur aus dem Jazzrepertoire bedienen, sondern auch von HipHop und elektronischer Clubmusik geprägt sind. „Meine Musik ist ein direktes Spiegelbild dessen, was ich bin – London in all seiner gemischten Pracht“, hat er einmal gesagt. Das Heterogene, die Besinnung auf Sounds und Narrative verschiedener Herkunftsländer spielt in der Szene eine wichtige Rolle. Alles schön bunt hier. Und zugleich ziemlich essentiell. Henrys jüngste Platte „Beautiful Vinyl Hunter“ belegt das.

Einlass 20 Uhr

Ausverkauft
Liturgical Jazz Concert Mass by Tord Gustavsen
Das Konzert ist bestuhlt!

Der norwegische Pianist Tord Gustavsen sprach einmal davon, dass Konzerte für ihn Meditationen seien. Man könnte seine Musik auch als spirituelle Erfahrungserweiterung begreifen. Gustavsens musikalische Erkundungen vollziehen in einem offenen, aber doch sehr bewussten Sinne liturgische Rituale nach. Ob er nun mit seinem Trio oder Quartett spielt, sich mit Bach beschäftigt oder mit eigenen Kompositionen – ein sakraler Unterstrom ist in seiner Musik stets spürbar. „Kirchenlieder und Choräle waren immer ein wichtiger Teil meines musikalischen Ichs“, sagte er einmal, „als Hörer, als undogmatischer, liberaler Kirchgänger und als Künstler.“ Beim Oslo Jazz Festival 2016 stellte Gustavsen, der in den 90ern durch seine Arbeit mit Silje Neergard bekannt wurde, erstmals seine Messe vor. Zeitgenössische Chormusik, traditionelle skandinavische Kirchenlieder und Gregorianik fließen hier eindrücklich mit seinem Jazzidiom zusammen. Das Kyrie der Messe wurde im Juli 2016 im Gedenkgottesdienst für die Opfer des Attentats von Anders Breivik uraufgeführt. In der Heiliggeistkirche erhält Tord Gustavsen nun Unterstützung vom Badischen Kammerchor der Heidelberger Hochschule für Kirchenmusik sowie vom Saxofonisten Uwe Steinmetz, der unter dem Einfluss von George Russell und einer Reise nach Indien die spirituellen Ebenen der Musik zu erkunden begann – und seither interessante Verbindungslinien zwischen Jazz und Kirchenmusik zieht.

Einlass: 19:00 Uhr
Eleni Karaindrou - "Tous des Oiseaux"
Als der griechische Autorenfilmer Theo Angelopoulos im Januar 2012 bei Dreharbeiten tödlich verunglückte, endete für die Komponistin Eleni Karaindrou eine langwährende Arbeitsgemeinschaft, die 1984 mit ihrer Musik zu „Die Reise nach Kythera“ begonnen hatte. Karaindrous Gespür fürs Archaische der traditionellen griechischen Folklore und ihr elegischer Grundton verband sich, stets mehr als eine Gebrauchsmusik, perfekt mit der für Angelopoulos charakteristischen Ästhetik der Langsamkeit und Stille. Interesssant: So wie der „ECM“- Produzent Manfred Eicher mit seiner Arbeit versuchte, etwas der Aura der Bilder Angelopoulos´ Vergleichbares zu erreichen, so inspirierten die „ECM“-Produktionen der späten 1970er Jahre die Kompositionen Karaindrous. Trotz ihres Klavier- und Musiktheorie-Studiums in Athen und des späteren Studiums der Musikethnologie und Komposition in Paris während des Exils (1969-1974) versteht sich Karaindrou als „instinktive“ Komponistin, bei der stets der Sound ihrer Kindheit in einem abgelegenen Bergdorf präsent ist. Das aktuelle Programm „Tous des oiseaux“ umfasst die Musiken für ein Theaterstück des libanesisch-kanadischen Schriftstellers Wajdi Mouawad und einen Film des iranischen Regisseurs Payman Maadi. Die emotionale Bandbreite der Musik reicht von „The Wind of War“ über „Lament“ bis hin zu „Waltz of Hope“.

Einlass: 19:00 Uhr
Sarah McCoy
Das Konzert ist bestuhlt!

Die schönsten Mythen populärer Musik handeln von verkannten Genies, die beinahe nicht dorthin gefunden hätten, wo sie eigentlich hingehören: ins Rampenlicht. Von daher ist Sarah McCoys Geschichte eine fast prototypische: Nach dem Tod ihres Vaters wird das Klavier und die Musik zur Rettung. Mit einer Gitarre im Gepäck schlägt sie sich nach Kalifornien durch, sie schreibt Songs und singt, als würde sie es mit Göttinnen wie Bessie Smith oder Nina Simone aufnehmen wollen. Ihre Lehr- und Wanderjahre, entlang am Abgrund des Scheiterns, führen sie 2011 nach New Orleans. Dort spielt sie in wirklich jedem Club und jeder Kaschemme. Songs und Stimme werden dunkler, freier, bewegender. Der französische Regisseur Bruno Moynie, auf Besuch in der Stadt, erkennt ihr Talent. Dreht eine Doku über McCoy. Arrangiert eine Tour durch Frankreich. Und dann die entscheidende Begegnung: Sie tritt im Vorprogramm von Chilli Gonzalez auf, der als Exzentriker begeistert ist von der Exzentrikerin. Er produziert ihre erste Platte: „Blood Siren“ (2019) klingt nicht wie ein Debüt, sondern wie das reife Werk einer Sängerin und Poetin, aufgenommen mit einem Minimum an Mitteln und einem Maximum an emotionaler Wirkung. Und mit einem Gesang, den die Mittdreißigerin so beschreibt: „Wenn ich singe, vibriert mein ganzer Körper, ich schließe die Augen und sehe Farben, lasse Landschaften entstehen.“

Einlass 20 Uhr