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And Also the Trees

Freitag, 24.03.2017 / 21:00 Uhr



Kulturzentrum Grend in Essen
Die Märchenfreaks unter den Postpunkern

Einst waren sie die Vorgruppe von "The Cure", dann verschwanden sie in der Versenkung. Nun melden sich "And Also the Trees" mit fragilem Synthpop zurück. In ihren Songs geht es um Fabelwesen und Elfen, Feen oder Kobolde.

Langsam und mit erhobenem Haupt schreitet And Also the Trees-Sänger Simon Huw Jones auf die Bühne. Er trägt spitze Schuhe und einen schwarzen Mantel, der ihm bis zu den Füßen reicht. Jones schließt die Augen, dann nimmt er eine Pergamentrolle und trägt aus ihr vor. Langsam legt er sie weg, während sein Bruder Justin und der Rest der Band ihre Instrumente spielen. Plötzlich wirft er sich zu Boden, schreit, als würden ihn die Qualen eines Jahrtausends martern. Die Auftritte von And Also the Trees erinnern eher an ein Mittelaltermärchen mit ehrbaren Gentlemen, Feen und Elfen als an eine Postpunkperformance.
"Ich muss in die Charaktere, die ich in meinen Songs erfinde, hineinschlüpfen. Ich kenne sie in und auswendig, allerdings weiß ich nicht, wer diese Charaktere sind."
Die Musik von And Also the Trees klingt wie aus einer anderen Welt. Leise Gitarre, dazu Simon Jones´ mal getragener, mal gehetzter, mal geschriener Sprechgesang, der die Hörer in Erstaunen versetzt. Textlich geht es um Fabelwesen, geheimnisvolle Frauen, die den Protagonisten verführen, Züge, die ins Nirgendwo fahren und ihre überraschten Reisenden erst in die Hölle und dann ins Paradies katapultieren. Doch dies war noch nicht der And Also the Trees-Sound, als die Gebrüder Jones vor 30 Jahren anfingen, mit ihren zwei besten Freunden in einem Keller in Worcestershire Punksongs zu proben.
"Punkrock zu spielen war damals angesagt. Und wir mussten uns in unserem kleinen Nest unser eigenes Unterhaltungsprogramm schaffen. Wir haben also unsere Instrumente spielen gelernt und angefangen, Songs zu schreiben. Dann haben wir uns unsere ersten Konzerte selbst organisiert. Damals war Justin gerade 15 und ich 18 oder 19. Unser großes Glück war, dass The Cure auf uns aufmerksam wurden und uns mit auf Tour nahmen. Wir hatten auf eine Anzeige von ihnen reagiert, in der sie eine Vorband suchten. Das war damals wirklich unser Glück!"
Das Glück blieb And Also the Trees auch noch etwas länger treu. Nach der ersten Tour mit The Cure wurden sie in Großbritannien als die neue Postpunkentdeckung gefeiert. Es folgten Artikel und sogar Titelstories in den großen britischen Musikmagazinen wie NME und Melody Maker.
The Cure-Sänger Robert Smith besorgte ihnen einen Vertrag mit einem großen Label.
"Wir haben unsere Plattenfirma zur Weißglut getrieben. Was uns im Weg stand war, dass wir unsere Unabhängigkeit nicht verlieren wollten. Wir haben einfach gemacht, was wir wollten. Wir wollten uns nicht in irgendeine Nische stecken lassen. Und irgendwann hat die Plattenfirma keine Lust mehr gehabt. Wir waren nicht mehr cool genug, und The Cure hat andere Bands mit auf Tour genommen. Es war unsere eigene Schuld, aber andersherum bin ich froh, dass wir jetzt machen können, was wir wollen. Manchmal bin ich zwar schon ein bisschen enttäuscht, aber wir haben das Glück, nicht von der Musik leben zu müssen."
Als Ende der 80er-Jahre And Also the Trees ihren Plattenvertrag kündigten, war der anfängliche Postpunkstil ihrer Musik bereits ihrem neuen Sound gewichen: Dieser ungewöhnlichen Mischung von Mittelalter, Folk und Postpunk.
"Ich versuche mich beim Schreiben in die Musik hineinzuversetzen. Und daraus entstehen die Texte, die oft sehr poetisch und oft nach spoken word klingen. Als Inspirationsquelle dient mir dabei oft meine Heimat Worcestershire. Anfangs war so etwas eher verpönt, aber als wir von allen Zwängen frei waren, wurde es zu unserem Markenzeichen, und so konnten all die Schattengestalten und Feen in meinen Texten zum Leben erwachen."

Mittlerweile ist Simon Huw Jones über 50 und unterrichtet hauptberuflich Englisch für Erwachsene in der Schweiz. Sein Bruder Justin hat eine Werbeagentur in London. Die Musik ist ihr Hobby, aber auch ihre Zuflucht in eine ganz eigene Traumwelt. Wenn es so etwas gibt wie die Märchenwelt der Popkultur, in der es Ritter, Elfen und Kobolde gibt, dann wird diese definitiv von And Also the Trees regiert, und das macht sie einzigartig.

Einlass ab 20h

Restkarten evtl. an der Abendkasse verfügbar


 
Eventdaten und Ticketservice bereitgestellt von unserem Kooperationspartner: ReserviX (Angaben ohne Gewähr)
 
 

Location: Kulturzentrum Grend

Anschrift

Westfalenstraße 311
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Deutschland





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